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Carrotmob – Wie wir mit Konsum das Klima schützen wollen

Daniel Reitmeier 5 Carrotmob Fairer Handel Klima Klimaschutz Vegetarier

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist so hoch wie seit 800.000 Jahren nicht mehr. Internationale Klimakonferenzen erreichen in der Regel nur einen Minimalkonsens. Und das Zwei-Grad-Ziel ist kaum noch zu erreichen. Bei diesen Schlagzeilen will man sich gar nicht genauer mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen. Zu retten ist da nicht mehr viel. Und wenn Experten mit erhobenem Zeigefinger zu mehr Verzicht aufrufen, geht die Motivation für Klimaschutz gegen Null.

Carrotmob
Green City, Fotograf: Andreas Schebesta

Für alle, die mit einfachen Alltagshandlungen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und dabei auch noch Spaß haben wollen, veranstaltet Green City Carrotmobs. Angefangen hat alles 2009. Damals brachte eine unserer Kolleginnen das Konzept Carrotmob aus den USA mit. Bei einem Carrotmob kaufen Konsumenten gezielt am Aktionstag in einem Geschäft ein. Der Mob konsumiert dabei Artikel des täglichen Bedarfs und kauft den Laden leer. Die Mehreinnahmen, die der Eigentümer am Aktionstag erwirtschaftet, investiert dieser wiederum in Energieeffizienzmaßnahmen im eigenen Laden. Letztendlich profitieren alle vom Carrotmob: Die Konsumenten entwickeln Bewusstsein für reflektierten Konsum. Der Eigentümer reduziert seine Stromkosten langfristig und gewinnt ein nachhaltiges Image.

Unser Team begeisterte sich schnell für diese unkonventionelle Aktionsform und Green City organisierte zwischen 2009 und 2014 neun Carrotmobs. Dabei wurden wir zum Vorreiter für Carrotmobs in Süddeutschland und sammelten viel Erfahrung in deren Ausrichtung und Perfektionierung. Bis heute finden wir den Grundgedanken gut und organisieren selbst einen Carrotmob pro Jahr.

Ich selbst habe 2011 bei Green City erstmals von Carrotmobs gehört. Das Konzept hat mich damals überzeugt, weil diese Form der Klimaschutzaktion den Leuten vor Ort einfach zu vermitteln ist und schnelle und nachhaltige Ergebnisse erzielt.

Meinen ersten Carrotmob organisierte ich dieses Jahr im Restaurant bodhi zusammen mit meinem Kollegen Christian Grundmann. Wir wählten dieses vegane Restaurant aust, weil die Themen Ernährung und Klimaschutz eng verknüpft sind. Außerdem war der Besitzer des Restaurants in Vorgesprächen sehr aufgeschlossen gegenüber unserer Idee und erklärte sich bereit, 80 Prozent der Tageseinnahmen für Energieeffizienzmaßnahmen in seinem Laden zu reinvestieren. Nach einigen Wochen Vorbereitungszeit hatten wir für den 14. Juli auch ein Programm auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen konnte: Geboten wurden ein Vortrag über solidarische Landwirtschaft, Live-Cooking mit alltagstauglichen veganen Rezepten und dem Auftritt zweier Livebands. Und natürlich jede Menge vegane Gerichte, die von den Gästen begeistert verspeist wurden. Am Ende des Abends zogen wir Bilanz. Auch wenn sich Bewusstseinsbildung bei Besitzer, Belegschaft und Konsumenten nicht messen lassen, so war ein Effekt doch deutlich spürbar. Der höchste Tagesumsatz des bodhi seit seiner Eröffnung im Dezember 2013 spricht in jedem Fall für den Erfolg der Aktion und wird komplett in sparsame Beleuchtung investiert.

Neben der Organisation von Carrotmobs betreue ich seit 2012 zusammen mit Christian Grundmann außerdem die Carrotmob Akademie. Mit diesem vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit geförderten Projekt haben wir es uns zum Ziel gesetzt, Andere für Carrotmobs zu begeistern und ein deutschlandweites Netzwerk von Klimaschützern aufzubauen. Mit Workshops, Vorträgen und über die Homepage www.carrotmob-akademie.de zeigen wir Carrotmob-Neulingen, wie sie diese Klimaschutzaktionsform am besten auf die Beine stellen.

Rückblickend erkenne ich inzwischen auch die Schwächen des Konzepts. Uns ist es nie wirklich gelungen, mit unseren Carrotmobs oder der Carrotmob Akademie eine breite Masse zu erreichen und langfristig für Klimaschutzmaßnahmen zu mobilisieren. Auch über die Online-Kanäle gestaltete es sich sehr schwierig. Aktivisten zur Organisation von Carrotmobs zu motivieren. Allerdings halte ich die Aktionsform weiterhin für eine smarte Idee, mit der wir als Umweltorganisation neue Zielgruppen erreichen und positive Anreize für Klimaschutz setzen. Das öffentliche Interesse für das Konzept ist ungebrochen, was zahlreiche Anfragen für Interviews und Workshops zeigen. Wir werden die Idee weiterentwickeln und uns insbesondere auf das Schulprojekt „Carrotmob macht Schule“ konzentrieren. Denn ohne ein Umdenken in der Gesellschaft ist unser Klima nicht zu retten. Und nirgendwo ist dieser Prozess einfacher anzustoßen wie bei heranwachsenden Klimaschützern!

5 Kommentare

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Till

Wow...das ist ja mal eine tolle Idee, die die Menschen zum nachdenken und mitmachen anregt.
Aber nicht nur hier kann man die Umwelt und den Energiehaushalt eindämmen.

Interesse an <a href="https://www.bayern-facility-management.de/sie-wollen-ihren-energieverbrauch-senken.html" Title="Kosten senken Klima schützen">Kosten senken Klima schützen</a>? Dann solltet Ihr auch einmal euren eigenen Haushalt betrachten. Gerade das Ladegerät oder die Kaffemaschine können im Jahr zusätzlich 20 Euro ausmachen, wenn man sie nicht nach dem benutzen aus steckt.

Bernd

Ja, es ist immer wichtiger umzudenken. Ich glaube viele würden auch gutes tun und den Stromanbieter wechseln wenn sie wissen würden wie einfach es ist. Man kann Ökostrom sogar günstiger beziehen als normalen Strom wenn man nur vergleicht - das sollten einfach mehr Menschen tun!

Micha

Es wird immer wichtiger umzudenken - das stimmt definitiv. Ich persönlich bin froh, dass der Atomausstieg bereits 2022 vollzogen sein soll - hoffen wir mal, dass es auch wirklich so kommt. Natürlich müssen dann auch die anderen Staaten mitziehen. Letztlich bringt es nichts wenn wir sauber sind und die französische Grenze beispielsweise voller Atomkraftwerke steht!

Gutschein-Deal

Ich denke langsam wäre es tatsächlich an der Zeit umzudenken. Wohin wird sich diese Kaufen und Arbeiten Spirale noch drehen? Danke für diesen interessanten Artikel.

Franz

WOW - wirklich eine tolle Aktion - finde ich gut, dass so etwas gemacht wird.
Hoffentlich findet das wieder statt - 2014 ist ja schon etwas her.
Weiter so und ebste Grüße Franz

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