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Dreh das Radio auf

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Am 13. Februar ist Welttag des Radios. Die UNESCO will damit auf die weltweite Bedeutung des Radios als Informationsquelle aufmerksam machen. Zum Welttag des Radios haben wir mit Radiomoderatorin Abi Mali aus Lusaka, Sambia, und Leon Tanzki, Radiomoderator des Campusradio Siegen, über ihre Arbeit und ihre Leidenschaft fürs Radio gesprochen.

Eine Person liegt auf dem Rücken mit verschränkten Armen hinter dem Kopf und schaut in die Luft. Im Vordergrund ist ein silbernes Radiomodell zu sehen, auf das die Person seinen Fuß angelehnt hat.
95 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren schaltet regelmäßig das Radio ein. Foto: Eric Nopanen

Radio ist ein Massenmedium. 95 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren schaltet regelmäßig ein, lauscht dem klassischen Radio oder nutzt Webradio. Mit Musik, tagesaktuellen Informationen, Unterhaltung und Moderation lassen sich die Zuhörerinnen und Zuhörer durch den Tag begleiten. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Um das Radio als Medium zu würdigen, wird daher bereits zum achten Mal am 13. Februar der World Radio Day begangen - ein Aktionstag, der von der UNESCO ins Leben gerufen wurde. Der Tag wurde nicht zufällig gewählt: Der 13. Februar 1946 war Gründungstag des United Nations Radio, einem Radioprogramm, das über die Aktivitäten der Vereinten Nationen informiert. Auch heute noch ist der Sender weltweit in mehreren Sprachen zu empfangen. Staaten werden am Weltradiotag dazu aufgerufen, den Zugang zu Informationen über Radio sicherzustellen und die internationale Zusammenarbeit von Radiosendern zu fördern.

Um mehr über das Thema zu erfahren, haben wir mit zwei Menschen gesprochen, die sich mit viel Leidenschaft, beruflich und privat, dem Medium Radio widmen. Abi Mali, Radiomoderatorin aus Lusaka in Sambia, berichtet von ihrer Arbeit bei einem Jugendradio und erzählt, was ihre junge Hörerschaft bewegt. Leon Tanzki, Student und Radiomacher aus Siegen, ist beim Campusradio in Siegen aktiv und teilt mit uns seine Gedanken zur Entwicklung des Radios und dem politischen Potenzial des Mediums.

Abi Mali, Radiomoderatorin bei Power FM Zambia

Logo von Power FM Zambia
Power FM Zambia

Engagement Global: Welchen Themen widmet ihr euch bei Power FM Zambia?

Abi Mali: POWER FM 91.3 ist Sambias einziges Jugendradio. Unsere Themen richten sich an junge Menschen, an alle Junggebliebenen und an eine Hörerschaft, die ein Programm möchte, das anders ist als der Rest. In unserem Programm geht es um lokale, aber auch internationale Themen, von aktuellen Meldungen, Unterhaltung, Lifestyle bis hin zu Sport, immer kombiniert mit einem gefühlvollen Mix aus aktuellem R’n’B, Hiphop, Pop, Soul, sambischen und Afro-Beats, gemischt mit altbekannten Hits.

EG: Wie interagiert ihr mit euren Zuhörerinnen und Zuhörern? Und was interessiert eure junge Hörerschaft?

Abi Mali: Da muss ich etwas ausholen. Ich denke, Radio oder Medien generell sind Plattformen, die man nicht einfach als selbstverständlich ansehen sollte und die man klug und durchdacht nutzen sollte. Die Hörerschaft, die Zuschauerinnen und Zuschauer oder die Leserinnen und Leser können ihren Stimmen und ihren Meinungen Gehör verleihen, entweder auf direktem Weg oder über ein Medium. Wenn also ein Zuhörer oder eine Zuhörerin sich mit dir identifizieren kann oder das von dir Gesagte nachempfinden kann, hast du seine oder ihre Aufmerksamkeit. Wenn er oder sie sich sicher fühlt und du ihm oder ihr einen sicheren Ort gibst, um seine oder ihre Meinung mitzuteilen, dann ist die Interaktionen mit den Hörerschaft ein Selbstläufer. Daher bemühen wir uns beim Sender, dass unsere Inhalte informativ und relevant sind, aber auch Spaß machen und unterhalten. Ich sehe mich gern als die Freundin, die meine Zuhörer und Zuhörerinnen bisher nicht hatten. Dann ist da natürlich noch die Musik. Um die Hörerschaft zu erreichen, musst du eine überzeugende Playlist haben.

EG: Wie kann das Radio für politische Fragen und Themen genutzt werden? Wie nutzt ihr es bei Power FM?

Abi Mali: Ich gehöre nicht zu denen, die über Politik reden, denn ich hasse es, schon so früh Falten zu bekommen (lacht). Aber ich finde, wenn es um Politik geht, dann sollten Radiomacherinnen und –macher immer erst einen unvoreingenommenen und unparteiischen Standpunkt vertreten. Ich möchte außerdem noch mal an das anknüpfen, was ich eben über Medien als Plattform gesagt habe, auf der Zuhörerinnen und Zuhörer aufrichtig ihre Sorgen und Interessen teilen und auf der Meinungen gehört werden können. Wann immer wir einen Zuhörer oder eine Zuhörerin haben, der oder die sich mit einem Anliegen zu einem bestimmten Thema an uns wendet, versuchen wir alle wichtigen und relevanten Autoritäten, Politiker oder Politikerinnen und Entscheidungsträger und -trägerinnen, wenn sie Zeit für uns haben, einzuladen. So können beide Seite gehört und eine Lösung gefunden werden.

EG: Was macht Radio für dich so besonders?

Abi Mali: Ich habe eine Leidenschaft für Menschen und es gibt so viele tolle und interessante Menschen, die einem überall begegnen – seien es Künstlerinnen und Künstler, Anwältinnen und Anwälte, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Existenzgründende, Politikerinnen und Politiker, Kinder oder Menschen, die auf der Straße ihre Waren verkaufen. Das sind alles Leute, deren Geschichte von anderen gehört werden sollten. Ich liebe es, diese Geschichten zu teilen. Abgesehen davon brauche ich einen Ort, an dem ich all meiner Energie freien Lauf lassen kann und Radio ist genau dieser Ort für mich. Außerdem liebe ich Musik und davon kann ich im Radio jede Menge spielen.

Leon Tanzki, Radiomoderator beim Campusradio Radius 92.1 Siegen

Logo vom Campusradio Siegen.
Campusradio Radius 92.1 Siegen.

Engagement Global: Welchen Themen widmet ihr euch bei Radius 92.1?

Leon Tanzki: Radius 92.1 ist das Campusradio an der Universität Siegen. Unsere Themen erstrecken sich also auf alles, was die Studierendenschaft so angeht. Dabei kann es sich um den Aus- und Umbau des Unigeländes und die Hochschulpolitik handeln. Natürlich haben wir auch überregionale Themen, die wir aus der Sicht von uns Studis betrachten. Aber auch alles was man in Siegen so unternehmen und entdecken kann, ist uns einen Beitrag wert. Wir hoffen mit unserem Programm den alteingesessenen Siegenern die Uni und den Uniangehörigen die Stadt näher zu bringen.

EG: Was interessiert die Studierenden und wie interagiert ihr mit euren Zuhörerinnen und Zuhörern?

Leon Tanzki: Wir sind ein kleiner Sender und können uns keine teuren Erhebungen unter der Hörerschaft leisten. Aber wir bekommen über die sozialen Medien mit, welche Themen gut oder auch weniger gut ankommen. Die größte Resonanz erzeugen tatsächlich Themen, die die Studierenden in Siegen direkt angehen. Das kann ein kritisches Interview mit dem Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) sein, aber auch die Vorstellung einer regionalen Band, die im lokalen Musikclub auftritt. Dann merkt man, dass Siegen – und noch mehr die Universität – ein echter Mikrokosmos ist. Vieles, was in Deutschland und der Welt vorgeht, wird von anderen ausführlicher und schneller abgedeckt. Aber an der Uni sind wir die erste Quelle.

EG: Welchen Stellenwert hat Radio als Medium in der Gesellschaft und wie wird es sich in Zukunft entwickeln?

Leon Tanzki: Als Radiomacher hoffen wir natürlich, dass wir viele Menschen erreichen, sie irgendwie bewegen, unterhalten und informieren. Das gelingt uns auch oft – aber immer seltener über den klassischen Weg. Immer wieder kriegen wir mit, dass die Leute unsere Beiträge viel häufiger bei Facebook, Twitter oder der Mediathek (NRWison.de) anklicken. Vor das gute alte Radio locken wir die Studis in größeren Mengen vor allem noch bei Sondersendungen. Gleichzeitig kriegen wir oft Feedback zu unserer Musikauswahl, die abseits des Mainstreams angelegt ist. Wir hören dann ab und zu von Neuentdeckungen durch unsere Playlist, was uns sehr freut. Im Grunde bleibt fürs Radio also vielleicht alles „wie früher“ – nur die Verbreitungswege und Nutzungsgewohnheiten werden sich verändern.

EG: Wie kann das Radio für politische Fragen und Themen genutzt werden? Wie nutzt ihr es bei Radius 92.1?

Leon Tanzki: Eine der stärksten Beitragsformen im Radio ist das Interview. Auch im Bereich der politischen Berichterstattung hat das Medium hier einen großen Vorteil. Zudem ist das Radio ein unglaublich schnelles Medium. So lassen sich Sendungen zu politischen Entwicklungen, die alle Blickpunkte vereinen außergewöhnlich aktuell produzieren und senden. Aber auch allgemeine politische Themen lassen sich im Radio besonders gut aufbereiten. Ein Grund dafür ist die Interaktion mit der Hörerschaft, die es ermöglicht Themen mit und für diejenigen zu behandeln, die betroffen sind. Beim Campusradio kämpfen wir so jedes Jahr erneut gegen die niedrige Wahlbeteiligung zu den Wahlen des Studierenden Parlaments (regelmäßig sieben bis acht Prozent). Dazu erklären wir, wie was wann und wo gewählt wird und auch warum. Den Effekt unserer Arbeit können wir leider nicht messen.

EG: Was macht Radio für dich so besonders?

Leon Tanzki: Ich bin in meinem ersten Semester zum Campusradio gegangen und geblieben. Radio war bis dahin nicht als Berufsweg auf meinem Schirm. Aber ich war angetan von der Unmittelbarkeit dieses Mediums. Man macht das Mikro an und ist auf Sendung mit Beiträgen die am gleichen Tag entstanden sind. Das ist bis heute das, was mich beim Radio am meisten reizt. Genau wie die Möglichkeit der Interaktion mit dem Publikum, die beim Radio so viel flüssiger und ungezwungener funktioniert.

Kurzbiographien

Abi Mali

Abi Mali

Abi Mali wurde in Lusaka in Sambia geboren, wo sie auch heut lebt und arbeitet. Sie ist als Autorin, Produzentin und Voiceover-Künstlerin tätig und moderiert jeden Morgen die „Sunny Side Up Breakfast Show“ beim Jugendradiosender Power FM. Abi Mali liebt Mode, Musik und Tanz und arbeitet leidenschaftlich gern beim Radio und ist Teil der Online-Show „Whats Cooking Zambia“.

Leon Tanzki

Leon Tanzki

Leon Tanzki studiert Medienwissenschaften an der Universität Siegen und ist dort seit 2013 ehrenamtlich beim Campusradio Radius 92.1 aktiv. Beim Campusradio war er bereits Chef der Musikredaktion, Wort-Chefredakteur und übernimmt ab und zu die Moderation. Seit 2017 ist Leon Tanzki zertifizierter Medientrainer der Landesanstalt für Medien und gibt regelmäßig Seminare und Workshops für Mitglieder von Radius 92.1 sowie für Bürgerfunker.

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