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Fair Play, Respekt und viele Perspektiven

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Seit 2017 arbeiten die dsj und das von Engagement Global angebotene Programm weltwärts-Begegnungen zusammen, um den Austausch von deutschen und afrikanischen Jugendgruppen im Sportbereich und die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative (DAJ) zu fördern. Wir haben Lisa te Boekhorst dazu interviewt. Sie ist seit 2017 Referentin für weltwärts Begegnungsprojekte im Ressort Internationale Jugendarbeit im Sport bei der Deutschen Sportjugend.

Ein Portraitfoto von Lisa te Boekhorst.
Lisa te Boekhorst. Foto: dsj (Deutsche Sportjugend)

Engagement Global: Wie kann Sport beitragen, die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bekannter zu machen und Menschen (in Deutschland und in afrikanischen Ländern) zu animieren, sich für die Erreichung der Ziele einzusetzen?

Lisa te Boekhorst: Viele der 17 SDGs sind eng mit dem Thema Sport verknüpft. Um einen gesunden Lebensstil zu erhalten ist Bewegung und Sport unerlässlich, aber auch das Thema nachhaltige Städte und Kommunen kann nicht vollständig durchdacht werden ohne sich über Sport- und Freizeitmöglichkeiten in einer Stadt Gedanken zu machen. Hier kann Sport vor allem als inhaltlicher Fokus von Projekten genutzt werden und einen Bezug zum täglichen Leben der Jugendlichen herstellen. Es gibt aber auch weitere Themen, zu denen der Sport einen enormen Beitrag leisten kann. HIV-Aufklärung oder auch Klimaschutz werden inzwischen in einigen Projekten mit Sport verknüpft, um diese Themen spielerisch zu vermitteln und eine gemeinsame vertrauensvolle Gesprächsbasis zu schaffen. Besonders im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung kann der Sport direkt wirken und durch gute Reflektion die Jugendlichen für vielfältige spätere Lebensaufgaben wappnen. Rollenbilder und Gleichberechtigung, aber auch der Umgang mit Konflikten kommen beim gemeinsamen Sporttreiben in geschütztem Rahmen vor und können daher gut aufgegriffen werden. Sport schafft es zu begeistern und regt durch Fair Play zum Perspektivwechseln an. Das sind genau die Eigenschaften, die es braucht, um sich mit den SDGs auseinander zu setzen.

EG: Was ist aus Ihrer Sicht besonders zu beachten, wenn junge Menschen für ein entwicklungspolitisches Engagement im Sport gewonnen werden sollen?

LtB: Zunächst glaube ich, dass jeder für entwicklungspolitisches Engagement gewonnen werden kann. Je vielfältiger die Gruppe, desto mehr Perspektiven kommen zusammen und desto größer ist der Mehrwert für die Teilnehmenden. In den Begegnungen geht es nicht darum, bestimmtes Wissen zu erlangen, sondern eigene kulturelle Erfahrungen zu machen und Verständnis für andere Sichtweisen und neue Denkansätze zu bekommen. Um eine erfolgreiche Begegnung zu ermöglichen, ist es jedoch entscheidend, dass Trainerinnen und Trainer und Referentinnen und Referenten sensibilisiert und geschult sind für Gruppendynamiken, Fair Play und interkulturelle Aspekte. Andernfalls können sich Stereotype verfestigen und kulturelle Differenzen verstärken. Auch sind an die Gruppen angepasste Zielvorstellungen entscheidend für ein Gelingen der Projekte. Je heterogener die Gruppe ist, desto schwieriger wird es entstehende gruppendynamische Prozesse zu steuern und einen partnerschaftlichen Austausch zu gewährleisten, bei dem die vorgesehenen Ziele erreicht werden. Es ist daher entscheidend, dass sich Träger und Trägerinnen sowie Referenten und Referentinnen im Vorfeld über Ziele und Gruppenzusammensetzung Gedanken machen und diese bewusst auswählen.

EG: Welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen Arbeit, insbesondere der internationalen Jugendarbeit, helfen Ihnen bei der Gestaltung dieser Kooperation mit weltwärts-Begegnungen?

LtB: Ich habe selbst eine Zeit lang in Südafrika gelebt und dort im Sportentwicklungsbereich gearbeitet. So konnte ich meine eigenen kulturellen Erfahrungen sammeln und die Möglichkeiten aber auch Grenzen des Sports über Ländergrenzen und Kulturen hinweg kennen lernen. Diese Erfahrung hilft enorm dabei, sich in die Projektideen hineinzuversetzen und sensibel einzelne Situationen zu betrachten. Darüber hinaus kenne ich inzwischen aber auch die theoretischen Grundlagen in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit und in der Organisationsentwicklung, sodass ich die verschiedenen Interessensgruppen, die an den Projekten von weltwärts-Begegnungen beteiligt sind, einschätzen und unterstützen kann.

EG: Wie sieht aus Ihrer Sicht eine ideale Sport-Jugendbegegnung im Rahmen von weltwärts Begegnungen aus?

LtB: Mit enorm viel Power und Begeisterung. Mit Fair Play und Selbstreflektion. Mit lauten Diskussionen und sportlichen Herausforderungen. Mit Solidarisierung unter jungen Menschen und gegenseitigem Respekt. Mit kreativen Ideen und vielen Perspektiven.

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