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Flucht und Migration in der Bildungsarbeit

1 Flüchtlinge Globales Lernen

Zohreh Rezvany engagiert sich für Globales Lernen und arbeitet seit 2013 als Referentin im Programm „Bildung trifft Entwicklung“ (BtE). Geboren im Iran lebt sie seit mehr als 30 Jahren außerhalb des Landes. In diesem Interview spricht sie mit unserer Mitarbeiterin Shila Auer über die Themen Flucht und Migration in der Bildungsarbeit.

Zohreh Rezvany
Zohreh Rezvany, Referentin im Programm „Bildung trifft Entwicklung“ (BtE)

Was motiviert Sie, sich im Globalen Lernen und für BtE zu engagieren?

Ich halte es für sehr wichtig, Vermittlerin einer anderen Kultur in einem westlichen Land zu sein und auch umgekehrt, die Erfahrungen in Deutschland meinen eigenen Landsleuten weiterzugeben. Ich liebe es, den Menschen eine Perspektive zu zeigen, mit der sie sich wohl fühlen und ihre Träume erfüllen können.

Welche Themen bieten Sie in Ihren Bildungsveranstaltungen an und für welche Zielgruppen?

Neben der Auseinandersetzung mit Gründen und Wegen von Flucht sowie mit dem Leben in einem fremden Land als Flüchtling, biete ich auch Bildungsveranstaltungen zu folgenden Themen an:

  • Alltag in anderen Ländern
  • Deutsche und internationale Entwicklungszusammenarbeit, Arbeiten im Projekt
  • Frauen/Gender
  • Interkulturelle Schulpartnerschaften
  • Interkulturelles Lernen/Werte und Normen/Vorurteile/Klischees
  • Kinder in anderen Ländern (Kinderalltag, Kinderrechte, Kinderarbeit, Kinderspiele)
  • Menschenrechte/Demokratieförderung/Migration

Meine Zielgruppen sind sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene. Besonders zum Thema Flucht werde ich oft in Schulen eingeladen, um darüber mit Lehrern und Lehrerinnen, aber auch mit Schülern und Schülerinnen zu sprechen.

Die deutsche Gesellschaft ist gerade jetzt sensibilisiert für das Thema Flüchtlinge, dazu brennen den Menschen viele Fragen unter den Nägeln. Es ist wichtig, hier vielschichtige Antworten einzubringen, die für ein breiteres Verständnis des Themas hilfreich sein können.

Wie bringen Sie Ihre eigenen Erfahrungen mit Flucht und Migration und aus der Arbeit mit Geflüchteten in die Bildungsveranstaltungen ein?

Ich arbeite schon viele Jahre mit geflüchteten Menschen, 12 Jahre lang habe ich mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gearbeitet und seit mehr als 15 Jahren mit erwachsenen Flüchtlingen. Ich weiß viel über die Politik in ihren Heimatsländern und ihre Fluchtgründe. Weil ich auch zum großen Teil ihre Muttersprache spreche, gewinne ich schnell ihr Vertrauen, was natürlich hilfreich ist. Ich kenne auch das System in Deutschland und bin immer auf dem neusten Stand der Dinge. Ich informiere mich über die neuen Gesetze, auf diesem Wege versuche ich, Flüchtlingen in meiner täglichen Arbeit zu helfen und ihre Probleme nachvollziehen zu können.

In meinen Veranstaltungen versuche ich, eine Brücke zwischen den geflüchteten Menschen und der deutschen Gesellschaft zu schlagen, damit sie sich gegenseitig mit Respekt begegnen und auf Augenhöhe akzeptieren. Damit das gelingen kann, ist es wichtig, sich mit den jeweiligen Themen auseinanderzusetzen, die die Menschen beschäftigen. In meiner Arbeit als Bildungsreferentin gebe ich die Interessen der Flüchtlinge weiter, zeige auf, wie sie leben, wie sie Integration verstehen, was ihre Erwartungen an das Leben in Deutschland sind. Den Flüchtlingen und Migrantinnen/Migranten vermittle ich hingegen die Wünsche und Angebote der deutschen Gesellschaft. Dabei geht es immer darum, ein Stück zu nehmen und ein Stück zu geben.

Auf welche Reaktionen stoßen Sie dazu bei Ihren Zielgruppen? Welche Rückmeldungen bekommen Sie?

Bis heute waren alle, sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Erwachsene von der Authentizität der Veranstaltungen begeistert. Sie konnten sich in die Lage der Flüchtlinge versetzen und haben dadurch ein besseres Verständnis über deren Leben gewonnen. Es waren bis heute nur positive Rückmeldungen – zu meiner Freude!

Warum denken Sie, ist es wichtig, BtE-Veranstaltungen zum Thema Flucht und Migration anzubieten?

Statistisch betrachtet ist von 122 Menschen weltweit aktuell eine Person entweder ein Flüchtling, binnenvertrieben oder asylsuchend. Wären alle Menschen auf der Flucht Bürgerinnen und Bürger eines einzigen Landes, wäre es die 24.-größte Nation der Welt.

Knapp 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Kriegen, Konflikten und Verfolgung. Dies ist die höchste Zahl, die jemals vom „Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen“ (United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR) verzeichnet wurde, und sie wächst rasant, wie der kürzlich veröffentlichte statistische UNHCR-Jahresbericht „Global Trends“ belegt. Ende 2014 waren 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Im Vergleich dazu waren es ein Jahr zuvor 51,2 Millionen Menschen, vor zehn Jahren 37,5 Millionen Menschen. Die Steigerung von 2013 auf 2014 war die größte, die jemals im Laufe eines Jahres von UNHCR dokumentiert wurde.

Wenn wir mit den Menschen mit Fluchthintergrund in einem Land leben wollen, führt kein Weg daran vorbei, dass wir uns mit Flucht und Migration auseinandersetzen, die Menschen mit diesem Hintergrund kennenlernen und sie in Deutschland integrieren. Die deutsche Gesellschaft ist auch daran interessiert, die Welt der Flüchtlinge kennen zu lernen. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, mehrere Bildungsveranstaltungen mit diesem Thema anzubieten.

1 Kommentare

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David

Wirklich ein schöner Beitrag! Schön, dass es sowas gibt!

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