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Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig für einen kulturellen Austausch

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Als Dachverband des deutschen Kinder- und Jugendsports vertritt die dsj (Deutsche Sportjugend) die Interessen von rund zehn Millionen jungen Menschen. Seit 2017 arbeiten die dsj und das von Engagement Global angebotene Programm weltwärts-Begegnungen zusammen, um den Austausch von deutschen und afrikanischen Jugendgruppen im Sportbereich und die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative (DAJ) zu fördern. Wir haben Jan Holze, Vorstandsvorsitzender der dsj, dazu interviewt.

Ein Portraitfoto von Jan Holze.
Jan Holze. Foto: dsj (Deutsche Sportjugend)

Engagement Global: Die Deutsche Sportjugend hat bereits Erfahrungen in der internationalen Jugendarbeit. Was hat Sie überzeugt, eine Kooperation einzugehen mit einer Einrichtung der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit?

Jan Holze: Sport kann Menschen auf der ganzen Welt begeistern, ungeachtet ihres sozialen Hintergrunds oder ihrer Sprache. Sport schafft es interkulturelle Brücken zu bauen und eine gemeinsame Kommunikationsebene zu fördern. Diese Fähigkeit ist sowohl in der internationalen Jugendarbeit als auch in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit von großer Bedeutung. Die dsj hat einen großen Arbeitsschwerpunkt in der internationalen Jugendarbeit, zum Beispiel durch langjährige Kooperationen mit Frankreich und Japan, aber auch immer wieder wechselnden Ländern, zum Beispiel im Rahmen der Olympischen Spiele. Auch entwicklungspolitische Arbeit hat Tradition bei der dsj. Seit 1967 engagiert sich die dsj in der deutsch-afrikanischen Zusammenarbeit in unterschiedlichen Feldern, wie beispielsweise der Aus- und Fortbildung von Jugendleitern und Jugendleiterinnen im Sport oder der Organisation von Fachkräfteaustauschen. Durch die Kooperation haben wir die Möglichkeit Sport, internationale Begegnungen und Entwicklungszusammenarbeit noch enger miteinander zu verknüpfen und die Expertise von Engagement Global und dsj zu bündeln.

EG: Wo sehen Sie die besonderen Chancen und Herausforderungen, die Kooperation von der dsj und Engagement Global fruchtbar zu machen für die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative (DAJ) oder allgemeiner: für den deutsch-afrikanischen Jugendaustausch?

JH: Der organisierte Sport in Deutschland und Sportbegegnungen im Speziellen entwickeln häufig ihre eigenen Dynamiken, Umgangsformen und Herangehensweisen. Die größten Herausforderungen werden sein, die gemeinsamen Ziele trotz unterschiedlicher Kulturen im Blick zu behalten und Perspektivwechsel zuzulassen. Wenn eine gute Zusammenarbeit gelingt, können beide Seiten ihren Horizont erweitern und neue Methoden kennen lernen. Dann wird es auch möglich sein, neue Zielgruppen zu erreichen und vielfältigen deutsch-afrikanischen Jugendaustausch zu gestalten.

EG: Welche neuen Möglichkeiten sehen Sie – im Unterschied zu den bisherigen Förderangeboten (nicht nur von Engagement Global) – durch die neue Förderlinie weltwärts-Begegnungen?

JH: Bislang waren Begegnungsreisen in afrikanische Länder besonders den Jugendlichen vorbehalten, die entsprechende finanzielle Unterstützung hatten. Auch waren die Reisen aus afrikanischen Ländern häufig nicht finanzierbar, sodass die Begegnungen eine starke Nord-Süd-Perspektive aufwiesen. Durch die neue Förderlinie ist es möglich neue Perspektiven in die Jugendarbeit zu integrieren und partnerschaftliche Projekte, ungeachtet der sozialen und kulturellen Herkunft der Jugendlichen, zu ermöglichen. Ein zweiter Vorteil von weltwärts-Begegnungen ist der inhaltliche Fokus auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (United Nations, UN). Durch die Förderlinie werden neue Verknüpfungen zwischen Sport und den UN-Zielen ermöglicht und ein globaler Austausch über diese Ziele gefördert. Neue Zielgruppen werden erreicht und vielfältige Projekte sowie neue Perspektiven ermöglicht.

EG: Wo sehen Sie für den Verband Möglichkeiten, der afrikanischen Seite mehr Gewicht zu geben, in den Austauschen allgemein und in den Begegnungsprojekten im Speziellen?

JH: Um einen Austausch auf Augenhöhe durchzuführen ist es vor allem entscheidend unvoreingenommen und offen auch neue Methoden und Herangehensweisen zuzulassen. Aus deutscher Sicht sollte vor allem die Frage im Fokus stehen „Was können wir alles von Afrika lernen?“ Für einen offenen Dialog braucht es genügend Sensibilität für kulturelle Unterschiede und gegenseitiges Vertrauen. Auch hier eignet sich der Sport als gemeinsame Grundlage auf hervorragende Art und Weise. Gemeinsames Sporttreiben schafft Begegnungen auf Augenhöhe. Dabei ist es egal ob die Sportler und Sportlerinnen aus Deutschland oder einem afrikanischen Land kommen oder welcher sozialer Herkunft sie sind. Der Deutscher Olympischer Sport Bund (DOSB) und die dsj haben langjährige Erfahrung in internationalen Sportprojekten verschiedenster Art und können auf bestehenden partnerschaftlichen Strukturen aufbauen. Diese Sportbegegnungen auf Augenhöhe schaffen die Möglichkeit, Begegnungen auf Augenhöhe auch in anderen Bereichen außerhalb des Sports zu fördern.

EG: Wann ist diese Kooperation von dsj und Engagement Global für Sie erfolgreich?

JH: Wenn wir begeisterte Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland und afrikanischen Ländern haben, die die Welt aus neuen Perspektiven sehen wollen, und die sich für globale Herausforderungen interessieren. Wenn Freundschaften geschlossen werden und auch weiterhin gemeinsames Sporttreiben über soziale, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg für ein gegenseitiges Verständnis und eine Gemeinschaft sorgt.

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