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Gemeinsam gegen Hochwasser

Isabela Santos 0 Globalisierung Klimaschutz

Isabela Santos de A. Nunes Koletzke erzählt von einer Veranstaltung der Städteplattform in Brasilien, bei der sich Expertinnen und Experten zu Hochwasserrisiken austauschten.

Menschen bei einer Veranstaltung, einer spricht ins Mikro.
Bei einer Veranstaltung. Foto: Aldo Rempel

Die Internationale Städteplattform Connective Cities organisierte vom 19. bis 21. August den Workshop “Developing flood vulnerability and risk analysis for local flood management planning” in Curitiba, Brasilien. Connective Cities - Die Städteplattform zielt darauf, kommunale Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in verschiedenen Regionen weltweit miteinander zu vernetzen, um Erfahrungen der nachhaltigen Stadtentwicklung auszutauschen, gemeinsam zu lernen und städtische Projektideen zu entwickeln.

Im Mittelpunkt der Projektwerkstatt in Curitiba stand die Entwicklung von Risikoanalysen im Bereich des lokalen Hochwassermanagements. Connective Cities hatte hierzu in Kooperation mit dem Zivilschutzamt des brasilianischen Bundeslands Paraná eingeladen.

Die Teilnehmenden der lokalen und staatlichen Regierungen und Institutionen, sowie die Mitglieder von Forschungsinstituten tauschten sich in Vorträgen, und Arbeitsgruppen aus. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen und Bundesländern aus Brasilien, Mexiko, Kolumbien, Peru und Deutschland arbeiteten dabei gemeinsam an Hochwasserrisikoanalysen und erfuhren Neues über Standards, Technologien und Arbeitsverfahren.

Unser Programm Internationale Städteplattform Connective Cities hat bisher immer Veranstaltungen in Europa und Deutschland organisiert. Normalerweise werden die internationalen Veranstaltungen von unserem Partner Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durchgeführt. Seit unserer letzten Dialogveranstaltung in Köln war uns klar, dass das Thema Hochwasserschutz ein großes Interesse bei den Teilnehmenden geweckt hatte.

Gruppenbild von Teilnehmenden der Veranstaltung
Die Teilnehmenden der Veranstaltung. Foto: Aldo Rempel

Gleich nach unserer Veranstaltung kamen viele E-Mails aus Brasilien und anderen Ländern, um sich für die Teilnahme zu bedanken. Die brasilianischen Kolleginnen und Kollegen waren während und nach der Veranstaltung euphorisch über ihre Partizipation. Sie wollen die weiteren Veranstaltungen verfolgen und entwickelten tausende Ideen für Folgeveranstaltungen.

Bevor mein Kollege Alexander Wagner in Elternzeit ging, lief unser Gespräch in Richtung: Warum nicht eine Veranstaltung in Brasilien. Ja, warum nicht?

Aber klar, so einfach war es nicht! Unsere Rahmenverträge sollten verfolgt werden, internationale Buchungen und Überweisungen außerhalb der EU: wie soll das alles funktionieren? Unsere Kollegen der Finanzabteilung wie auch aus der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) haben uns entscheiden unterstützt. Also haben Fernanda, Clemens und ich (unser damaliges Team) unsere Suche begonnen. Wo, Warum, Was und Wofür?

Es war nicht sehr einfach sich mit all den Fragen zu beschäftigen. Aber es war offensichtlich, dass das Thema eine wichtige Rolle in Lateinamerika spielt. Wir haben von allen Partnern aus Brasilien eine große Zustimmung erhalten und alle haben uns gesagt:  Ja, wir würden uns sehr freuen, wenn die Veranstaltung hier stattfinden wird. Nach der Festlegung des Ortes und des Partners haben wir uns auf den Weg gemacht. Ich freute mich, dass unser Team super zusammen gearbeitet hat.

In vielen Ländern Lateinamerikas, ja, von Mexiko bis Argentinien hatten die Kommunen und Bundesländer Interesse bei unserer Veranstaltung teilzunehmen.

Kurz vor der Reise und der Veranstaltung dachte ich, es ist alles gut vorbereitet und die Veranstaltung kann kommen. Trotzdem weiß ich, es kann immer etwas dazwischenkommen, aber dann erinnere ich an den brasilianischen Spruch: Dá sempre um jeitinho! (Es gibt immer eine Möglichkeit)

Gruppenbild an einem Damm.
Wasserdamm in Curitiba. Foto: Aldo Rempel

Curitiba war auch für mich eine neue Stadt. Ich bin Brasilianerin aber ich war noch nie in Südbrasilien, besonders im Winter. Ich hörte als Kleinkind viel über Immigration aus Deutschland, Italien, Polen und anderen Ländern nach Brasilien. Ich komme aus dem Nordosten und meine Region hat nie Winter gehabt. Wir hatten Minimum 18 Grad im Winter. Wir haben viele ähnliche Einflüsse in Brasilien, aber ich merkte, Curitiba war für mich anders. Die Architektur war sehr portugiesisch wie in Salvador, meiner Heimatstadt. Aber es war alles ganz anders und auch viel ähnlich. Es war das gleiche Land, die gleiche Sprache und die ähnliche Architektur. Aber ich sah die Einflüsse anderer Kulturen und anderer Länder. Ich merkte, der Akzent war anders, manche Wörter waren neu und das gesamte Bild der Stadt war für mich anders. Ich war trotzdem in Brasilien. Ich fühlte mich sofort Zuhause und dieses Gefühl hatte ich während der gesamten Veranstaltung.

Bevor ich nach Deutschland ausgewandert bin, war ich selten außerhalb meiner Region (Nordostens Brasiliens) unterwegs. Ich kannte unsere Unterschiede, unsere Einflüsse, die brasilianischen Diversitäten mehr aus dem Buch. Diese Veranstaltung machte mir klar, wie vielseitig das Land wirklich ist.

Langsam kamen die Gäste der Kommunen aus Peru, Mexiko, Deutschland, Brasilien, Kolumbien. Die Teilnehmenden tauschten sich aus, wir stellen immer wieder fest, alle Kommunen haben viele Gemeinsamkeiten. Als Kernaussagen stellten sich folgende Schlüsselfaktoren heraus: Datenverfügbarkeit und soziales Engagement sind für die Entwicklung und Anwendung der Risikoanalysen entscheidend. Die Kommunikation mit Gemeinden und Entscheidungsträgern wurde als ebenso wichtig identifiziert, um auf die Wirksamkeit der Risikoanalysen und deren Integration in einen breiteren städtischen Plan hinzuweisen. Wir haben alle das größte Problem, dass Leute bis heute in Risikogebieten leben. Alle Kommunen sehen große Herausforderungen bei der Teilnahme von Bevölkerung und Freiwilligen bei Bevölkerungs- und Zivilschutzmaßnahmen, sowie die Schwierigkeiten allen Daten zur Verfügung zu haben.

Die drei Tage haben wir viel gemeinsam gearbeitet und uns näher kennengelernt. Während der Tage sah ich die Interaktion zwischen den Teilnehmern und die Ideen für weitere Projekte immer klarer. Am Ende der Projektwerkstatt waren sich viele der Teilnehmenden einig, ihren Austausch weiter zu stärken. So werden im Oktober, November und Dezember Treffen aus eigener Initiative stattfinden.

Aktuell befindet sich die Folgemaßnahme in Vorbereitung. In Kooperation mit dem United Nations Office for Disaster Risk Reduction (UNISDR) wird die Städteplattform Connective Cities einen Austausch zwischen drei Städten aus Brasilien unterstützen.

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