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Nachhaltigkeit selber machen. Beim NachhaltigkeitsCamp Bonn

Severin Caspari 0 Bildung Globales Lernen Klimaschutz

Der Begriff Nachhaltigkeit hat Konjunktur. In der Politik erfreut er sich genauso großer Beliebtheit wie in der Wirtschaft. Doch was hat das mit unserem Alltag zu tun? Beim NachhaltigkeitsCamp Bonn am 24. Juni lassen wir Theorie und große Politik beiseite und wenden uns der Praxis zu. Welche konkrete Ideen für nachhaltiges Leben gibt es und wie können wir sie weiterentwickeln?

Wohnwagen in der Halle des Basecamps Bonn
Foto: Basecamp Bonn

Manchau gagog changau gagog chaugo gagog amaug. Was aussieht, als sei jemand auf der Tastatur eingeschlafen, ist in Wirklichkeit ein Beleg dafür, dass Nachhaltigkeit für den Menschen schon immer unverzichtbar war. Es ist der Name eines Sees in Südamerika und bedeutet in der Sprache der Ureinwohner: „Wir fischen auf unserer Seite, ihr fischt auf eurer Seite und niemand fischt in der Mitte“[1]. Dahinter steckt der Gedanke, die Fischbestände schonend zu behandeln, um auch in Zukunft von ihnen zehren zu können. Heute sagen wir dazu nachhaltige Fischerei. Nachhaltigkeit ist also nichts Neues, sondern eine uralte Überlebensstrategie des Menschen. Bereits die Indianer haben nachhaltig gelebt.

Deutschland hat seinen eigenen Nachhaltigkeits-Häuptling. Im frühen 18. Jahrhundert sorgte sich Hans Carl von Carlowitz um den sächsischen Wald. Damals herrschte in der Region Holznot, denn der Energiehunger der Erzgruben und Schmelzhütten des Erzgebirges war zu lange mit der Axt gestillt worden. Pläne zur Aufforstung gab es keine. Unter diesem Eindruck formulierte der Oberberghauptmann von Carlowitz in seiner Schrift Sylvicultura oeconomica das Prinzip der Nachhaltigkeit. Danach sollte nur so viel abgeholzt werden, wie der Wald auf natürliche Weise regenerieren kann.

Heute denken wir über Nachhaltigkeit im globalen Maßstab nach. Denn nicht nur Wald und Seen, sondern unser gesamtes Klima- und Ökosystem ist bedroht – und damit unsere eigene Lebensgrundlage. Wir leben über unsere ökologischen Verhältnisse, wobei der Großteil der Ressourcen von den Industrieländern genutzt wird. Die globale Konsumkultur heizt diese Entwicklung weiter an.

Was tun? Die grundsätzliche Marschroute ist seit langem bekannt und wurde zum Beispiel 1987 im Brundtland-Report[2] formuliert. Danach ist eine Entwicklung nachhaltig, „wenn sie den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ In der Praxis tun wir Menschen uns aber nach wie vor schwer mit der Nachhaltigkeit.

Der jüngste Versuch daran etwas zu ändern, stellt die im September 2015 von der UN verabschiedete Agenda 2030[3] für nachhaltige Entwicklung dar. 193 Staaten haben sich darin auf 17 Ziele verabschiedet, die bis ins Jahr 2030 erreicht werden sollen. Die Ziele sind ambitioniert und durchdringen sämtliche Lebensbereiche. Sie haben ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen. Etwa sollender Klimawandel reguliert und extreme Armut und Hunger beendet werden. Hochwertige Bildung und die Gleichberechtigung der Geschlechter sollen global zum Standard werden.

So wichtig Beschlüsse auf dem internationalen Parkett auch sind – sich auf das Handeln von oben zu verlassen, erscheint doch zu wenig. Das zeigt schon der Blick auf die Geschichte der Klimapolitik: Es brauchte 21 Klimakonferenzen, bis sich die Weltgemeinschaft vergangenes Jahr in Paris darauf einigen konnte, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Level zu begrenzen. Ohne Politik und Wirtschaft aus ihrer Verantwortung zu entlassen, muss Nachhaltigkeit von allen gelebt werden, wenn sie erfolgreich sein soll.

Das führt uns zurück zu den Indianern, die sich schon aus klugem Eigeninteresse der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Die Alternative lautet: selber machen. Und hier haben wir gerade in Deutschland gute Erfahrungen gemacht, wenn wir etwa an die Energiewende denken. Bürgerinnen und Bürger schrauben sich Solarpanel auf ihre Dächer. Andere schließen sich in Genossenschaften zusammen und stellen Windparks auf. Mehr als 50 Prozent aller Kraftwerke, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, sind laut BUND in der Hand von Privatpersonen und Landwirten[4]. Nachhaltigkeit made at home .

Nicht nur beim Thema Energie, auch in anderen Lebensbereichen lässt sich Nachhaltigkeit im Alltag leben. Viele Ideen gibt es bereits: Beim Upcycling entstehen Gegenstände aus vermeintlichen Abfallprodukten. Der Kauf regionaler Lebensmittel schont das Klima, weil lange Transportwege wegfallen. Geld kann bei Banken angelegt werden, die nicht in fossile Energieträger wie Kohle investieren.

Damit sind nur einige Beispiele genannt. Weitere Ideen können Besucherinnen und Besucher am Freitag, den 24. Juni 2016, beim NachhaltigkeitsCamp Bonn erproben und weiterentwickeln. Zu der Veranstaltung laden Engagement Global und Bonn.digital ein. Sie wird in Form eines „Barcamps“ abgehalten – ein Format, bei dem die Teilnehmenden gleichzeitig die Akteure sind. Jeder kann eine Session zu seinem Thema mit Bezug zu Nachhaltigkeit anbieten. Gleichgesinnte schließen sich an und gemeinsam wird eine Idee weitergesponnen.

Die Location könnte nicht passender sein. Das Basecamp[5] im Bonner Süden war in seinem früheren Leben eine Lagerhalle. Heute bilden dort ausgemusterte Schlafwaggons, Transporter und Wohnwagen einen Indoor-Campingplatz mit ganz viel Retro-Charme. Wo ließe sich besser über nachhaltige Lebensweisen und die Grenzen der Wegwerfgesellschaft konferieren als hier?

[1] https://www.nachhaltigkeit.info/media/1326279587phpeJPyvC.pdf

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Brundtland-Bericht

[3] http://www.globalgoals.org/de/

[4] http://www.bund.net/themen_und_projekte/klima_und_energie/energiewende/energiewende_von_unten/

[5] http://www.basecamp-bonn.de/

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