• Globales Lernen

Neues Lernen und Gestalten in einer Globalen Welt

Hannes Siege 0 Globales Lernen Globalisierung

"Global" und "Bildung“: Diese beiden Begriffe gehören in unserer globalisierten Welt zusammen. Während das „Globale Lernen“ aus dem Bildungsalltag kaum mehr wegzudenken ist, hört man von „Global Citizenship Education“ hierzulande noch vergleichsweise wenig. Deshalb möchte ich dieses Konzept kurz erklären.

Kinder halten sich an den Händen und bilden einen Kreis
© UNICEF/NYHQ2006-2268/Pirozzi

Global Citizenship Education ist das Konzept einer Bildung, die anstrebt, die globale Perspektive und darin eingeschlossen die Perspektive der globalen Vielfalt der Welt in Bildungsprozesse einzubringen. Sie richtet sich im Sinne lebenslangen Lernens an alle und sollte einen Schwerpunkt in der formalen Bildung (Schule / Hochschule) haben. Global Citizenship Education will die verantwortliche, bürgerschaftliche Partizipation des Einzelnen an globaler Entwicklung erreichen, und muss die dazu notwendigen Kompetenzen fördern, zum Beispiel die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Wichtige Kompetenzen zu Global Citizenship zielen nicht nur auf kognitive Fähigkeiten, das heißt das Verstehen von Zusammenhängen, sondern auch auf die Fähigkeit zur Gestaltung. Typische Kompetenzen sind hier die Fähigkeit, Bereiche persönlicher Mitverantwortung für Mensch und Umwelt zu erkennen und als Herausforderung anzunehmen, oder die Handlungsfähigkeit im Globalen Wandel. Das heißt: Die Lernenden erwerben Kompetenzen, die sie fähig machen in einer sich globalisierenden Welt gestaltend tätig zu sein. Die Lehrenden haben Interesse an der bestmöglichen Förderung der Lernenden.

Den Begriff „Global Citizenship Education“ hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon im Rahmen seiner „Education First“-Initiative zur Definition eines der Schwerpunktbereiche verwendet. Von daher hat der Begriff zum Beispiel in der UNESCO und in internationalen Debatten Prominenz bekommen. Für Ban war vermutlich ein wesentlicher Aspekt, dass die Vereinten Nationen gerade versuchen, über eine „Global Citizenship Commission“ die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Universal Declaration on Human Rights) zu aktualisieren. Dahinter stehen Überlegungen, dass die Erklärung angesichts der modernen Herausforderungen an Global Governance – als Beispiel sei nur der Klimawandel erwähnt – erweitert werden müsse.

Zurzeit verhandelt die Weltgemeinschaft unter bisher nie dagewesener breiter Beteiligung über die Fortschreibung der Millenniumsentwicklungsziele und ihre „Umwandlung“ in globale Nachhaltigkeitsziele. Es ist wahrscheinlich, dass das Bildungsziel, das in den Nachhaltigkeitszielen enthalten sein wird, Global Citizenship als ein Unterziel enthält.

Dennoch: Nach meiner Auffassung gibt es keine grundsätzlichen Unterschiede zum Globalen Lernen. Allerdings ist das Konzept der Global Citizenship Education - oder kurz GCE - noch sehr offen, so dass sich erst herausstellen wird, wie GCE letztlich weltweit verstanden wird. Interessant ist hier insbesondere die Frage, was GCE von Bildung für nachhaltige Entwicklung – BNE – unterscheidet.

Aber was wird das für Deutschland bedeuten? Wir werden hier diejenigen Partner brauchen, die das Gelingen von Bildung generell befördern. Das sind die staatlichen Institutionen der Bildungsverwaltung von den Ministerien bis zu den Schulen, das sind die Lehrkräfte, die Institutionen der Lehrerbildung, aber auch die externen Partner von Schulen, wie die im Schulumfeld tätigen nichtstaatlichen Organisationen. Die Nichtregierungsorganisationen, die Erfahrungen im Globalen Lernen oder in Bildung für nachhaltige Entwicklung haben, bieten sich hier in erster Linie als Partner an.

Wir haben bei uns mit dem Orientierungsrahmen für Globale Entwicklung bereits einen Ansatz des Globalen Lernens, der wesentliche Elemente der Global Citizenship Education einschließt. Nach der UNESCO-Definition zielt GCE auf eine Welt „which is more just, peaceful, tolerant, inclusive, secure and sustainable“ – die gerechter, friedlich, tolerant, inklusiv, sicher und nachhaltig ist. Diesen Zielsetzungen verschreibt sich der Orientierungsrahmen, der zudem, wie die Jahre nach 2007 gezeigt haben, sich als Instrument der Implementierung des Globalen Lernens bewährt hat. Im Mittelpunkt steht dabei der Ansatz, die Unterrichtsfächer auf ihren Beitrag zur Bearbeitung der Fragen globaler Entwicklung zu verpflichten.

Dennoch fällt auf, dass das Stichwort „Global Citizenship Education“ in anderen Ländern, etwa in Kanada oder auch in Österreich, bereits eine viel größere Rolle spielt als in Deutschland. Ein Grund für eine gewisse Zurückhaltung könnte sein, dass das Globale Lernen hierzulande überwiegend als Teil der Bildung für nachhaltige Entwicklung positioniert wird. GCE ist als Konzept noch nicht gefestigt, insbesondere steht eine Klärung der Anschlussfähigkeit an BNE aus. Vielleicht hat dies in Deutschland dazu geführt, zunächst etwas vorsichtig mit dem „neuen“ Begriff umzugehen. Hier gibt es noch einiges zu tun. Das Konzept muss nicht nicht nur bekannt gemacht, sondern in der Umsetzung mit Leben gefüllt werden. Ich bin sicher, dass das sich für alle Beteiligten lohnt.

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