Schulpartnerschaft mit Neugier und Engagement

Viola, Maren, Sekwana und Clara 0 Bildung Jugend Projekte Schulpartnerschaft

Die Schulpartnerschaft des Kurt-Huber-Gymnasiums Gräfelfing und der Emmaberg Girls Secondary School in Makambako, Tansania, besteht schon seit 2011. Sie ist geprägt von gemeinsamen Projekten auf Augenhöhe und intensivem Austausch via Briefen und Videokonferenzen. Im Windschatten der Schulpartnerschaft beschäftigt sich die jahrgangsübergreifende AG zudem intensiv mit Themen wie Klimaschutz und Antirassismus und macht sie mit kreativen Aktionen – von Plakataktionen bis Podcast – auch für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler greifbarer.

Die Schulpartnerschaft des Kurt-Huber-Gymnasiums Gräfelfing und der Emmaberg Girls Secondary School in Makambako, Tansania, besteht schon seit 2011. Sie ist geprägt von gemeinsamen Projekten auf Augenhöhe und intensivem Austausch via Briefen und Videokonferenzen. Im Windschatten der Schulpartnerschaft beschäftigt sich die jahrgangsübergreifende AG zudem intensiv mit Themen wie Klimaschutz und Antirassismus und macht sie mit kreativen Aktionen – von Plakataktionen bis Podcast – auch für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler greifbarer.

2019 reiste eine Gruppe des bayerischen Gymnasiums zur Partnerschule nach Emmaberg. Der Gegenbesuch ist jetzt – nach Verschiebung wegen der Corona-Pandemie – für Sommer 2022 geplant. Um sich auf diesen vorzubereiten, nahmen die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler an den Auftaktkonferenzen vom Entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramm (ENSA) teil. Im Interview erzählen die Schülerinnen Viola, Maren, Sekwana und Clara von ihrer Arbeit in der AG, welche Ideen sie auf der Konferenz sammeln konnten und warum sie von Schulpartnerschaften überzeugt sind.

Schülerinnen des KHG und der Emmaberg School bei der Begegnungsreise 2019
Schülerinnen des KHG und der Emmaberg School bei der Begegnungsreise 2019. Foto: Benjamin Rückert

1. Wie häufig trefft ihr euch in der AG? Was ist Teil der AG-Arbeit?

Viola: Ich bin noch nicht so lange in der AG und habe darum noch kein Treffen vor Corona miterlebt. Aber auch während Corona treffen wir uns: Wir machen online Kooperationsspiele für den Gruppenzusammenhalt und auch einfach, um gemeinsam Spaß zu haben. Meist beschäftigen wir uns dann mit unterschiedlichen Themen. Wir haben zum Beispiel angefangen, Kisuaheli zu lernen, uns für einen Wettbewerb beworben und uns auch kreativ mit der Partnerschaft auseinandergesetzt. Wir nehmen auch regelmäßig an Workshops mit bestimmten Schwerpunkten teil, derzeit unter anderem zu Rassismus, Kolonialismus, Privilegien und kritischem Weißsein.

Maren: Dazu kann ich noch sagen, dass wir uns so nicht jede Woche treffen. In der großen Gruppe etwa monatlich und dafür dann für drei bis vier Stunden. Am Anfang des Schuljahres haben wir Untergruppen zu bestimmten Themen gegründet, die häufiger zusammenkommen. Wir haben zum Beispiel ein Podcast-Team. Und ein Team, das rassismus-kritische Aktionen plant und durchführt. Ein anderes Team hat einen Spendenlauf organisiert. Wir haben ein Leitungsteam aus Schülerinnen und Schülern aller Jahrgangsstufen, die gemeinsam mit den Lehrkräften die AG-Treffen planen. Jeweils zwei Schülerinnen und Schüler leiten zusammen mit einer Lehrkraft auch die Unterteams.

2. Könnt ihr mehr von den Unterteams erzählen? Welche Aktionen entstehen daraus? Wie funktioniert der Podcast?

Viola: Ich bin in einem Unterteam, das eine Plakataktion geplant hat, die in den nächsten Tagen startet. Wir haben uns über bekannte Klimaaktivistinnen und -aktivisten informiert und von jedem Kontinent mehrere ausgewählt, die wir auf Plakaten vorstellen und selbst zu Wort kommen lassen – mit Zitaten und QR-Codes zu Reden, Interviews und Dokumentationen. Diese Poster werden in der Schule aufgehängt.

Maren: Für den Podcast interviewen haben wir zum Beispiel Schülerinnen und eine Lhrkraft aus unserer Partnerschule interviewt sowie auch Expertinnen und Experten zu bestimmten Themen. Der Podcast kommt auch richtig gut an.

Viola: Außerdem haben wir eine Video-Botschaft für die tansanischen Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Wir sind mit mehreren Leuten durch die Schule gegangen und haben die Bereiche in der Schule gefilmt, die wir den Schülerinnen und Schüler zeigen wollen. Zu den Räumen und Orten haben wir dann englische Texte geschrieben, in eine App eingesprochen und zu unseren Filmaufnahmen dazu geschnitten. Das haben wir nach Emmaberg geschickt mit der Bitte, eine Führung durch ihre Schule zurückgeschickt zu bekommen. Wir haben auch schon andere Videobotschaften von unseren Freundinnen erhalten, zum Beispiel zu Weihnachten.

3. Was hat euch in der (Zusammen-)arbeit in der AG am meisten überrascht, was findet ihr spannend daran?

Clara: Ich finde es spannend, dass unsere AG jahrgangsstufenübergreifend so gut funktioniert. Bei uns arbeiten Schülerinnen und Schüler aus der fünften bis zur zwölften Klasse zusammen. Auch die Unterteams sind ganz bunt durchgemischt, sodass man auch mal von Leuten, mit denen man sonst gar keinen Kontakt hat, Meinungen und Sichtweisen mitbekommt.

Maren: Die Zusammenarbeit funktioniert vor allem auf Augenhöhe. Ich bin zum Beispiel in der elften Klasse und ich teile mir die Leitung eines der Unterteams mit einer Sechstklässlerin. Wir machen das gemeinsam. Getreu dem Motto von Greta Thunberg: „Niemand ist zu klein, um einen Unterschied zu machen“.

Sekwana: Trotz des Altersunterschiedes reden wir auch in den Unterteams immer viel, knüpfen Kontakte und sind zu den Themen, aber auch darüber hinaus, im Austausch.

4. Worauf freut ihr euch am meisten bei dem geplanten Besuch der tansanischen Schülerinnen?

Viola: Es wird schön sein, mit ihnen in den persönlichen und direkten Austausch zu gehen. Sie wirklich und nicht nur über Video zu sehen. Ich freue mich darauf, mich über alles Mögliche mit ihnen zu unterhalten.

Sekwana: Ja, genau. Sie real zu treffen, wird sicher toll. Vor allem wollen wir ihnen München zeigen, gemeinsam etwas unternehmen und auch zeigen, wo und wie man selbst lebt.

Clara: Ich freue mich auch darauf, alltägliche Dinge zu vergleichen und Gemeinsamkeiten zu finden. Zum Beispiel der Weg zur Schule ist ja schon ein ganz anderer, weil wir nicht direkt in der Schule leben wie die Schülerinnen der Emmaberg-Schule.

Maren: Die Umarmungen – darauf freue ich mich am meisten. Und darauf, die Freundinnen, die ich 2019 gefunden habe, wiederzusehen. Damals haben wir viel geredet, musiziert und getanzt. Das war so lebendig und bereichernd – ich hoffe, dass es hier auch trotz Corona möglich sein wird.

5. Was glaubt ihr wird am spannendsten oder überraschendsten für die Schülerinnen aus Emmaberg bei ihrem Besuch?

Maren: Clara hat es ja vorhin schon erwähnt: Zum Beispiel der Schulweg ist ja etwas, das sie so gar nicht kennen. Ich habe aber auch Sorge, dass es rassistische Vorfälle geben könnte. Darauf müssen wir uns als Gruppe natürlich vorbereiten und überlegen, wie wir damit umgehen werden. Auch wenn ich natürlich hoffe, dass es nicht dazu kommt. Auf jeden Fall überraschen wird sie aber die Trennung von Schule und Privatleben, die bei uns ja sehr konsequent ist.

Sekwana: Generell der Schulalltag wird für sie vermutlich ungewöhnlich sein. Es ist ja eine andere Kultur, die mich umgekehrt bei ihnen auch überraschen würde. Neu wird sicher auch der versetzte Unterricht der verschiedenen Klassenstufen sein, den wir momentan wegen Corona haben.

Viola: Fremd wird ihnen vermutlich auch sein, wie viel für uns gemacht wird. Zum Beispiel, dass das Schulgebäude von Putzkräften gereinigt wird. Das gehört in Emmaberg zu den Aufgaben der Schülerinnen.

Clara: Wir wissen ja auch, dass die Emmaberg-Schule sehr religiös ist. Dort gehört Religion sehr zum Alltag. Wir haben zwar Religionsunterricht, aber abgegrenzt und außerdem auch Ethik-Unterricht. Und wir haben nicht jeden Morgen einen Gottesdienst.

6. Ihr wart ja alle auch auf der Auftaktveranstaltung von ENSA: Ist euch eine der anderen Partnerschaften besonders in Erinnerung geblieben? Welches der Projekte könntet ihr euch für eure AG vorstellen?

Clara: Mir ist bei den anderen Schulpartnerschaften als erstes aufgefallen, dass sie ganz häufig nicht so persönlich sind wie bei uns. Manche Schülerinnen und Schüler haben sich gegenseitig erst am Partnerschaftstag auf der Konferenz kennenlernen können. Und wir haben ja die Brieffreundschaften und die regelmäßigen Videokonferenzen – das geht bei den anderen häufig gar nicht. Während wir uns viel austauschen – zum Beispiel über das, was uns gegenseitig wichtig ist – haben die anderen da nicht so regelmäßige Kommunikation.

Maren: Mich hat die Vielfalt der Themen begeistert. Ich konnte ganz viel Inspiration und Ideen mitnehmen. Besonders das Umweltthema des Gymnasium Lappersdorf ist mir im Gedächtnis geblieben, wo die Partnerschulen unter anderem einen Gemüseacker angelegt haben. Mit den Schülerinnen und Schülern dort habe ich mich lange unterhalten und auch Kontakte ausgetauscht. Sie haben auch eine Solaranlage gebaut – das war für uns sehr interessant, weil unsere Partnerschule das auch plant und wir sie dabei unterstützen wollen.

7. Wenn ihr alles machen könntet, was ihr wolltet, welche Projekte würdet ihr dann gerne mit den tansanischen Schülerinnen und Schülern umsetzen?

Maren: Viel mehr Reisen würde ich mir wünschen, mehr Begegnungen. Die Videokonferenzen sind toll, aber nicht genug. Und im Kleinen: Es würde schon helfen, wenn Emmaberg mehr Headsets zur Verfügung hätte, damit wir mit allen gleichzeitig sprechen können.

Sekwana: Genau. Wenn wir mehr und stabilere Video-Konferenzen machen könnten oder wenn aus den Briefen, die wir hin und her schicken, E-Mails werden könnten. Das wäre toll.

Maren: Außerdem hatten wir vor der Pandemie jedes Jahr einen tansanischen Abend, zu denen unsere ganze Schule eingeladen waren. Den würde ich gerne wiederholen. Dort haben wir für unsere Gäste tansanisch gekocht, Tänze aufgeführt, von unserer Partnerschule erzählt und Fotos und Filme gezeigt.

8. Eure Schulpartnerschaften läuft demnach sehr gut. Aber meint ihr, das funktionieren immer? Aus welchen Gründen könnte eine Partnerschaft nicht klappen?

Sekwana: Ich denke, wenn die Motivation auf beiden Seiten da ist, dann klappt es. Eine Hürde ist natürlich der regelmäßige Kontakt. Besonders dann, wenn Video-Konferenzen nicht möglich sind. Damit es trotzdem nicht nur eine einseitige Unterstützung mit Geld oder so wird, sondern ein richtiger Austausch, muss das Interesse an einer gleichwertigen Partnerschaft von beiden Seiten da sein.

9. Welchen Mehrwert hat eure Schulpartnerschaft beziehungsweise welchen Mehrwert haben Schulpartnerschaften allgemein? Für euch, aber auch so generell?

Clara: Viele nehmen Afrika als ein Ganzes wahr und bezeichnen es auch so, ohne zwischen den verschiedenen Ländern und Kulturen zu unterscheiden. Indem wir uns damit auseinandersetzen, über den Tellerrand hinausschauen, unseren Blick in die Welt richten, lernen wir andere Perspektiven kennen. Und wir sammeln Erfahrungen, die wir dann wieder an andere weitergeben und sie auch zur Auseinandersetzung auffordern können.

Maren: Mein Leben ganz persönlich hat die Schulpartnerschaft positiv verändert. Ich möchte jetzt auch beruflich etwas auf internationaler Ebene machen. Ich glaube und hoffe, dass wir so gemeinsam das Leben von vielen Menschen nachhaltig verändern. Bildung ist das beste Mittel gegen den Teufelskreis der Armut. Schulpartnerschaften helfen dabei.

10. Wenn ihr andere Schülerinnen und Schüler überzeugen wollen würdet, in die AG einzutreten, wie würdet ihr das machen? Was würdet ihr ihnen erzählen?

Viola: Manche denken vielleicht, dass es in so einer AG sachlich zugeht, dass wir nur über Probleme reden oder über Arbeit. Aber so ist es ja nicht. Wir gehen auch spielerisch mit den Themen um, wir setzen konkret Aktionen um und machen alle möglichen Aktivitäten. Wir kochen gemeinsam, tanzen, tauschen uns locker zu ganz verschiedenen Dingen aus. Es ist immer unterschiedlich. Es macht Spaß.

Sekwana: Es gibt ja nicht nur die große Schulpartnerschaftsebene, sondern es entstehen ja auch Freundschaften. Die Briefe, die gemeinsamen Abende und Videokonferenzen sind ja alle sehr persönlich. Das ist vielen nicht klar.

Clara: Die AG ist ein Angebot, mehr zu sehen als Europa. Eine Chance, den eigenen Horizont zu erweitern. Diese Chance sollte man annehmen.

Maren: Ich würde einfach von mir selbst und meinen Erfahrungen erzählen. Nicht: „Komm du rein, weil…“. Stattdessen berichte ich davon, was für eine Bereicherung es für mich und mein Leben ist. Aber auch davon, dass ich mich aufgrund Weißer Privilegien verpflichtet fühle, die Welt auch mal aus einer globalen Perspektive aus zu betrachten. Und wer das einmal gemacht hat, will auch gar nichts anderes mehr.

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