Von Spongebob-Hassern, Barcamp-Junkies und Nachhaltigkeitsliebenden

Georg Staebner und Ute Schulze 0 Ehrenamt Nachhaltigkeit

Das NachhaltigkeitsCamp Bonn vernetzt Menschen miteinander. Best Practice Beispiel: Georg Staebner und Ute Schulze haben sich letztes Jahr beim #ncbn17 in Bonn kennengelernt und arbeiten seitdem zusammen an dem Social-Start-up helpteers. Wir haben die beiden getroffen und zu ihrer nachhaltigen Love-Story befragt.

Engagement Global: Ihr habt euch letztes Jahr auf dem NachhaltigkeitsCamp in Bonn kennengelernt. Wie ist es zur Zusammenarbeit gekommen?

Ute Schulze: Es gibt in einer Beziehung immer einen Aktiven, der den ersten Schritt macht. Und das war in diesem Fall der Mann. (lacht)

Georg Staebner: Aber es passte einfach alles. Erstmal: „Warum bin ich überhaupt dorthin gefahren?“ - Allgemein zum Netzwerken, um helpteers vorzustellen und sich mit neuen Partnern zu verbinden. Beim Barcamp ist es immer so, dass man sich zu Beginn einmal vorstellen muss mit drei Hashtags. Und die Hashtags von Ute waren einfach sowas von passend, dass ich sie einfach ansprechen musste. Und zwar waren sie „Digitalisierung“…

Ute: Digitales Ehrenamt, Socialmediagedönstante und Initiative Torus, für die ich im Prinzip da war.

Georg: Das passte einfach super. Deswegen habe ich sie angesprochen. Man muss dazu sagen, dass ich eigentlich schon jemanden hatte, der für mich Social Media gemacht hat, aber das passte nicht so ganz. Und ich selber tue mich ein bisschen schwer bei Social Media. Deswegen habe ich sie angesprochen und gefragt, ob sie nicht Interesse hätte, etwas für helpteers zu machen.

Zwei Personen lächeln in die Kamera
Ute Schulze und Georg Staebner. Foto: Engagement Global

Engagement Global: Was macht heltpeers genau?

Georg: Wir haben einmal eine kostenlose Plattform, helpteers.net, die jeder frei zugänglich nutzen kann. Zudem bieten wir Organisationen an, unsere Plattform als eigene Plattform zu nutzen. So nutzt zum Beispiel der Verein Nestwärme unsere Plattform, um Eltern behinderter Kinder mit Ehrenamtlichen zu verbinden.

Ute: Ich finde den Begriff so schön: „Begegnungsplattform“. Menschen können sich da begegnen und der wirklich intensive Kontakt entsteht dann wie immer persönlich.

Georg: Durch helpteers gibt es nicht mehr nur das Virtuelle oder nur das Lokale, wir verbinden diese beiden Elemente miteinander.

Engagement Global: Georg, du hast auch eine Session gehalten. Worum ging es da?

Georg: Also helpteers besteht aus mehreren Elementen und das was ich da vorgestellt habe, war das sogenannte Crowdmoving. Also Crowdmoving bedeutet, über digitale Kanäle Menschen zu aktivieren. Das hab ich vorgestellt, um zu schauen, wie ich vielleicht auch einigen Initiativen damit helfen kann.

Ich bin aber auch ein Barcamp-Junkie, denn ich mag das Format total. Jeder kann etwas davon mitnehmen und sich einbringen. Das Schöne ist, man gibt einen kurzen Impuls und bekommt unheimlich viel zurück.

Engagement Global: Ihr sprecht gerne von dem Begriff Crowdmoving, der sprachlich an Crowdfunding angelehnt ist.

Georg: Das Wort Crowdmoving kommt daher, dass das, was dort passiert, viele Menschen bewegt. Und die Herangehensweise ist ähnlich wie beim Crowdfunding. Was mache ich beim Crowdfunding? Ich erzähle eine Geschichte. Und damit diese Geschichte wahr wird, brauche ich Geld. Und wir sagen „Ich erzähle eine Geschichte, ich möchte, dass diese wahr wird und ich kann das nicht alleine. Wer möchte mitmachen?“ Und mit einem Klick kann man Teil davon werden und etwas bewegen.

Engagement Global: Wie gestaltet ihr eure Social Media-Kommunikation?

Georg: Ute ist bei uns für den Bereich Social Media zuständig und ich lasse ihr da vollkommen freie Hand. Wenn mir mal etwas wirklich nicht gefällt, dann sage ich das. Ein Beispiel: Ich mag diese Comic-Figur Spongebob nicht. Als Ute ein GIF mit Spongebob gepostet hat, war ich nicht so begeistert.

Ute: Aber das bin ich auch gewohnt. Ich arbeite zum Teil im digitalen Ehrenamt als auch auf Honorarbasis und werde dafür bezahlt. Am Anfang muss man sich erstmal finden, da braucht es ein bisschen Abstimmung. Das ging bei uns aber sehr schnell. Das mit dem Spongebob war ein Ausrutscher. Da kann man dann aber auch drüber lachen.

Engagement Global: Was sind die Schwierigkeiten beim Aufbau eines Social Start-ups?

Georg: Wir wollen auf jeden Fall wachsen, darum suchen wir derzeit aktiv nach weiteren Personen. Wir wachsen auf der Kundenseite, aber es könnte etwas schneller gehen. Bis zu der Entscheidung, helpteers einzusetzen, vergeht normalerweise fast ein dreiviertel Jahr bis ein Jahr. Der Schritt etwas Digitales zu benutzen, neue Wege zu gehen - der ist noch sehr viel mit Angst verbunden. Bei jungen Menschen ist das Gegenteil der Fall. Sie kommen nicht mehr zu Ortstreffen, weil sie alle Informationen im Netz finden.

Ute: Wir verstehen uns beide in diesem digitalen Wandel als Brückenbauer. Wir sind Verbindungselemente für das, was gerade passiert. Wir sind in einem Umbruch und haben eine Vielzahl an Medien und Kommunikationsmöglichkeiten.

Engagement Global: Inwiefern können denn die sozialen Netzwerke Fluch oder Segen für soziale Organisationen sein?

Georg: Ein Leben ohne Internet wird es nicht mehr geben. So wie bei allem, müssen wir erst einmal lernen, damit umzugehen. Und klar, dadurch passieren auch Sachen, die nicht so gut laufen. Dann muss man daraus lernen. Dann passiert es aber auch, dass auf einmal ein Kontakt entsteht, der zum Beispiel auf Grund der örtlichen Entfernung sonst nie hätte entstehen können.

Ute: Es gibt auf jeden Fall positive und negative Aspekte. Soziale Medien sind absolut notwendige und tolle Kommunikationsmittel. Doch genauso schnell, wie man positive Wirkungen erzielt, kann man auch negative Wirkungen hervorrufen. Wer Social Media macht, sollte ein entsprechendes Gefühl für solche Situationen haben. Wir alle leben mit dieser Unsicherheit. Das ist die Komplexität der Digitalisierung.

Engagement Global: Zeit ist heutzutage für viele Engagierte oder Interessierte ein wichtiger Faktor. Inwiefern bietet helpteers zeitlich gesehen eine Lösung?

Georg: Uns ist einfach wichtig, dass der Schritt zum Engagement so klein wie möglich ist. Jeder soll sich engagieren und einbringen können. Bei helpteers kann man konkret sehen, was noch für das Projekt XY erledigt werden muss. Habe ich Zeit und Lust, kann ich die Aufgabe mit einem Klick übernehmen.

Engagement Global: Für das diesjährige NachhaltigkeitsCamp Bonn habt ihr bereits angekündigt, dass ihr eine Session halten werdet. Worum wird es gehen?

Ute: Wir werden das erste Mal gemeinsam eine Session anbieten, das haben wir vorher auch noch nicht gemacht. Wir nehmen als Aufhänger, wie wir uns letztes Jahr beim NachhaltigkeitsCamp gefunden haben und machen unsere „Lovestory“ öffentlich (lacht). Das ist ja auch ein nachhaltiges Ergebnis aus dem letzten NachhaltigkeitsCamp. Wir möchten aber nicht nur über Engagement und Liebe sprechen, sondern auch über Engagement und Geld. Und das ist ein Riesenthema - oft ein Tabu-Thema.

Engagement Global: Wie finanziert sich helpteers?

Georg: Wie versuchen natürlich, dass sich das, was wir machen, auch nachhaltig selber finanziert. Wir bekommen keine Spendengelder und wir fragen auch nicht nach Spendengeldern. Das Ziel ist Kunden zu finden, die sagen: „Das was ihr macht, das hilft uns so sehr, dass wir bereit sind dafür zu bezahlen.“

Engagement Global: Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Georg: Wir wollen sowohl die kostenlose Plattform als auch eigene Plattformen für Organisationen zum Wachsen bringen. Wir wollen Engagement auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Communities voranbringen. Wir wollen vielen Organisationen ermöglichen, dass sie eine eigene Plattform für ihre eigene Community haben können. Zum Beispiel arbeiten Umweltaktivisten vollkommen anders und kommunizieren vollkommen anders als beispielsweise der Verein Nestwärme. Wir sehen dort ein Potenzial von mehreren hundert unterschiedlichen Organisationen, die davon profitieren können.

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