Warum es so wichtig ist, für das Thema unbewusste Voreingenommenheit zu sensibilisieren

Julia Pedersen 0 Frauentag Geschlechtergerechtigkeit Gleichstellung

Julia Pedersen ist Gleichstellungsbeauftragte bei Engagement Global. In einem Interview spricht sie über ihre Motivation, sich beruflich mit dem Thema auseinanderzusetzen, über die Aufgaben, die mit dem Amt einhergehen, und darüber, welche Maßnahmen aus dem Gleichstellungsplan besonders wichtig für sie sind. Das Interview haben wir anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März geführt.

Poträt von Julia Pedersen

Julia Pedersen ist Gleichstellungsbeauftragte bei Engagement Global. In einem Interview spricht sie über ihre Motivation, sich beruflich mit dem Thema auseinanderzusetzen, über die Aufgaben, die mit dem Amt einhergehen, und darüber, welche Maßnahmen aus dem Gleichstellungsplan besonders wichtig für sie sind. Das Interview haben wir anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März geführt.

1. Du bist Gleichstellungsbeauftragte bei Engagement Global. Was ist deine Motivation, dich beruflich mit dem Thema Gleichstellung auseinanderzusetzen?

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass ich mich beruflich mit dem Thema beschäftige. In meinem Job vor Engagement Global hatte ich ein klares Gender-Mandat als Projektleiterin für Personal-und Organisationsentwicklung. Insgesamt beschäftigt mich das Thema schon seit meinem Studium in Südafrika, weil mir dort die überall präsente, strukturelle Beschaffenheit des Themas klar wurde. Wenn man erkannt hat, dass Gleichstellung – wie Rassismus – ein strukturelles Thema ist, muss man logischerweise an Strukturen ansetzen. Zum Beispiel im Beruf. Meine private Motivation und Inspiration die Strukturen zu verändern, ist inzwischen meine Tochter: Ich möchte nicht, dass sie die Chancenungleichheit, die derzeit besteht, erleben muss, wenn sie erwachsen ist.

2. Was sind deine Aufgaben als Gleichstellungsbeauftragte?

Rein formell ist es meine Aufgabe, auf die Einhaltung des Bundesgleichstellungsgesetzes bei Engagement Global zu achten, dazu gehört zum Beispiel, dass ich über Organisations-und Personalprozesse informiert werde und die Möglichkeit habe, Stellung zu nehmen. Meine persönliche Ambition ist, dass ich erstens zum Ende meiner Amtszeit insgesamt zu einer höheren Diskriminierungssensibilität bei Engagement Global auch über das Thema Gender hinaus und zu einer größeren Sichtbarkeit des Themas Gender als nicht rein binär (männlich/weiblich) beigetragen habe. Und dass ich zweitens zu einer höheren Transparenz in allen Personalprozessen beigetragen und für das Thema „unbewusste Voreingenommenheit“ (unconscious bias) sensibilisiert habe, da beides nach meiner langjährigen Berufserfahrung in den Bereichen Personal und Organisation mehr als alles andere zu einer Erhöhung der Chancengleichheit beiträgt.

3. Aktuell arbeitet Engagement Global mit dem 3. Gleichstellungsplan (2020 – 2023). Welche Maßnahmen aus diesem Plan sind für dich strategisch zentral und warum?

Wir sind bei Engagement Global als Gleichstellungsbüro in der glücklichen Lage, dass die Personalabteilung, bei der die Umsetzung des Gleichstellungsplans nach Bundesgleichstellungsgesetz angesiedelt ist, uns eng in die Erstellung der Ziele und Maßnahmen einbezogen hat. Alle Maßnahmen, die wir eingebracht haben, haben erhöhte Chancengleichheit und Transparenz in den Personalprozessen zum Ziel und sind damit für mich strategisch zentral. Um dies zu verdeutlichen ein Beispiel einer Maßnahme zur prozentualen Geschlechterparität, die schon in der Umsetzung ist und anfangs für Verwirrung gesorgt hat. Bei Engagement Global haben wir circa 75 Prozent weibliche und 25 Prozent männliche Mitarbeitende. Mit dem Ziel der prozentualen Geschlechterparität wollen wir diese Verteilung auf jeder Gehaltsstufe sehen. Im Moment haben wir in den obersten Gehaltstufen noch mehr als 25 Prozent Männer und in den unteren noch mehr als 75 Prozent Frauen. Das „füttert“ unsere unbewusste Voreingenommenheit, dass Männer besser geeignet sind für Führungspositionen und Frauen besser für Positionen, in denen mehr zugearbeitet wird und beschneidet gleichzeitig die Chancen beider Geschlechter. Ich habe letztens über die Aussage einer Führungskraft in einem globalen Großkonzern lachen müssen, die sagte: „Wahre Geschlechtergerechtigkeit haben wir erst erreicht, wenn wir von genauso vielen inkompetenten Frauen wie inkompetenten Männern geführt werden.“ Da ist was Wahres dran, finde ich. Noch schöner wäre es natürlich, wenn Positionen rein nach nachgewiesener Kompetenz besetzt werden.

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