Wie der Sport Menschen vereint

Ingo Dansberg 0 Freiwillige Internationaler Tag des Sports für Entwicklung und Frieden weltwärts

Der 6. April ist der Internationale Tag des Sports für Entwicklung und Frieden. Aus diesem Anlass haben wir Ingo Dansberg vom ASC 1846 Göttingen interviewt. Der Verein bietet nicht nur ein breites Sportangebot in Göttingen, sondern entsendet seit 2008 Freiwillige mit weltwärts in afrikanische Länder.

Typisches Spiel im Sportunterricht für die 2. Klasse: Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser. Hier fliegen die Kinder wie Vögel auf die andere Uferseite. Foto: Marc Franz

Engagement Global: Der ASC 1846 Göttingen bietet nicht nur ein breites Sportangebot in Göttingen, sondern fördert auch den Sport in verschiedenen afrikanischen Ländern. Wie sieht dieses Engagement konkret aus?

Ingo Dansberg: Mit dem Freiwilligendienst sind wir seit 2008 in afrikanischen Ländern aktiv. Im Zyklus 2018/2019 sind es 78 Freiwillige in den Ländern Südafrika, Namibia, Sambia, Tansania, Uganda und Ruanda. Unser Fokus ist das Medium Sport – damit sind wir in den Partnerorganisationen aktiv. Konkret sind 90% unserer Einsatzstellen Grundschulen in ärmlichen Gebieten. Hier unterstützen die Freiwilligen den Sportunterricht/ die Sportaktivitäten während der Schulzeit. Zusätzlich setzen die Freiwilligen im Nachmittagsbereich ihre individuellen Stärken ein und betreuen weitere Sportmannschaften oder sonstige Aktivitäten.

Engagement Global: Warum engagiert sich der ASC in diesem Bereich, wie kann Sport aus Ihrer Sicht zur Entwicklung beitragen?

Ingo Dansberg: Als Großsportverein und Kooperationspartner der Sportjugend Niedersachsen setzen wir seit 2004 den Freiwilligendienst im Sport in Niedersachsen um. Die positiven Erfahrungen daraus haben uns ermutigt, auch auf internationaler Ebene aktiv zu werden. Sport hat immens viele Vorteile, die wir in der Entwicklungszusammenarbeit sehen. Der Aufforderungscharakter ist für die Schulkinder sehr hoch, zudem ist die Sprachbarriere schnell überwunden. „Sport hat die Kraft, Menschen zu vereinen.“, hat Nelson Mandela gesagt. Wir glauben daran, dass die Zusammenarbeit mit Sport viele Kulturen zusammenbringen kann und dass der Erfolg ein Verständnis/ eine Anerkennung der anderen Kultur als Grundlage für weitere Aktivitäten ist. Sport hat natürlich die Komponente der physischen Ertüchtigung und fördert das allgemeine Wohlbefinden.

Engagement Global: Wenn Sie auf die vergangenen 11 Jahre zurückblicken, wie sieht Ihr Resümee aus?

Ingo Dansberg: Zurückblickend ist es ein langer, sehr aufregender Prozess gewesen. Als zuständiger Referent im ASC durfte ich das Programm von Anbeginn begleiten und mit aufbauen. Wir haben 2008 mit sechs Freiwilligen in Südafrika gestartet, mit jeweils zwei Freiwilligen in dem Bereich Handball, Fußball und Schwimmen. Ich habe viel lernen dürfen, insbesondere die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort. Zu verstehen, inwiefern die Zusammenarbeit möglich ist und welche Grundvoraussetzungen gegeben sein müssen, damit beide Seiten glücklich sind. Mit vielen tollen Partnern und Menschen habe ich nächtelang zusammengesessen und an der Programmumsetzung gefeilt. Mit welchen Voraussetzungen bewerben sich die jungen Menschen bei uns? Wie können sie eingesetzt und betreut werden und was benötigen die Partnerorganisationen vor Ort? Über die Jahre haben wir eine Struktur geschaffen, die es möglich macht beim ASC Göttingen insgesamt ca. 80 Freiwillige zu betreuen. Ich denke, ein besonderes Highlight ist das Netzwerk um den weltwärts-Einsatz. Wir haben ganz viele tolle ehemalige Freiwillige, die uns bei den Seminaren unterstützen und uns mit Vorträgen in Schulen unterstützen. Zudem gibt es jetzt eine wachsende Verbindung von Ehemaligen, die gemeinsam tolle Aktionen machen. Vor Ort haben wir seit 2012 lokale Projektmanager, die in dem jeweiligen Land die Betreuung der Freiwilligen und den Kontakt zu den Partner sehr intensiv pflegen. Für mich persönlich ist es ein großer Erfolg, dass aus gesundheitlicher Sicht alle Freiwilligen heile nach Hause gekommen sind. Spätestens auf den Rückkehrseminaren begegnen wir dann tollen jungen Menschen, die wir als deutsche Jugendliche entsandt haben und als offene Weltbürger zurückkehren.

Engagement Global: Welche Erfolge und Herausforderungen gab es?

Große Herausforderungen waren unter anderem wirtschaftliche Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Allein die Finanzierung von (sicherem) Transport beschäftigt uns immer wieder. Auch personell gab es viele schwierige Momente, ob mit Menschen aus dem Netzwerk oder auch mit Mitarbeitern oder weltwärts-Freiwilligen.

Bedanken möchte ich mich an der Stelle bei der Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle weltwärts bei Engagement Global. Als Vermittler zwischen der Entsendeorganisation und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) machen sie für mich einen tollen Job. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen das Programm und helfen lösungsorientiert bei unseren Fragen.

Schwimmunterricht an einer Grundschule in East London, Südafrika. 98 Prozent der Kinder können in der 3. Klasse nicht schwimmen und müssen erst ans Wasser gewöhnt werden. Foto: Marc Franz

weltwärts ist ein Programm, was mich seit elf Jahren quasi rund um die Uhr beschäftigt. Ich bin unglaublich dankbar für die positive Grundeinstellung seitens des ASC Göttingen. Der ASC unterstützte besonders am Anfang den Aufbau mit Eigenmitteln und gab die Möglichkeit das Programm mit vielen Stunden zu entwickeln. Alle Wegbegleiter im In- und Ausland sind interessante Bereicherungen in meinem Leben. Ich habe Freundschaften geschlossen, die seit vielen Jahren bestehen und immer intensiver werden. Auch wenn die Umsetzung des Programms teilweise sehr schwierig ist, es zahlt sich spätestens aus, wenn man mit den Partnern und Freiwilligen über die Zusammenarbeit spricht. Es sind Worte des Dankes und die der Anerkennung für unsere gute Arbeit. Es sind so starke Statements, die mich zu Tränen rühren und mir Motivation zur optimalen Weiterarbeit in dem Programm geben.

Mit ca. 500 Entsendungen in den elf Jahren hoffe ich, dass wir gerade erst am Anfang der internationalen Zusammenarbeit sind.

Engagement Global: Seit 2014 bietet der ASC für junge Menschen aus afrikanischen Ländern auch einen Freiwilligendienst im Sport in Deutschland an. Wie sieht so ein Freiwilligendienst aus? Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen, wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ingo Dansberg: Durch die Süd-Nord-Komponente haben wir ein zusätzliches Programm im internationalen Bereich. Aktuell sind 12 Freiwillige aus dem globalen Süden (Senegal, Uganda, Sambia, Namibia, Südafrika) in deutschen Sportvereinen aktiv. Sehr ähnlich zu den Nord-Süd-Entsendungen sind sie 12 Monate im Bereich Sport aktiv. Da wir jetzt im vierten Jahr sind, ist es ähnlich wie Nord-Süd – wir müssen Erfahrungen sammeln. Insbesondere in dem Bereich der Erwartungen und Vorbereitungen sind noch Herausforderungen, da werden wir dran arbeiten. Die Menschen aus dem globalen Süden sind eine tolle Ergänzung hier vor Ort.

Engagement Global: In welche Richtung soll es mit weltwärts weitergehen? Haben Sie Pläne für das weltwärts-Angebot des ASC oder Wünsche an das Programm?

Ingo Dansberg: Bei der Entwicklung des Programms sind wir vor allem immer um Qualitätssteigerung bemüht. Bessere Auswahl, Vorbereitung, Durchführung, etc. Es ist nicht so, dass wir da Handlungszwang haben, aber natürlich möchten wir das Programm weiter verbessern. Quantitativ setzen wir uns regelmäßig mit dem Vorstand zusammen und besprechen unsere Ideen für die kommenden Jahre. Ich persönlich finde neue Länder immer sehr spannend, aber insbesondere in den Ländern in Ostafrika (Ruanda, Tansania, Uganda) sehe ich auch viele Möglichkeiten zur Erweiterung. Mit Leidenschaft und Disziplin werden wir weiter an allen Punkten des Programms arbeiten. Meinen Wunsch an das Programm richte ich an das BMZ. Die Finanzierung mit 75% bedeutet mit ca. 80 Freiwilligen bei uns ein ziemlich großer finanzieller Aufwand, die Lücke zu 100% zu schließen. Einerseits dürfen wir die Freiwilligen bitten dazu einen Sponsorenkreis aufzubauen, andererseits ist es untersagt diese zur Grundfinanzierung des Programms anzufordern. Mein Wunsch ist es, entweder die prozentuale Förderung zu erhöhen oder die Freiwilligkeit der Spendensammlung zur Verbindlichkeit machen zu dürfen.

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