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WILLKOMMEN! Flüchtlinge in Deutschland unterstützen - aber wie?

Jeannette Spenlen 2 Flüchtlinge Flüchtlingshilfe Globalisierung Menschenrechte

Täglich lesen und hören wir in den Medien von Bürgerkriegen und zerfallenden Staaten. Die daraus resultierenden internationalen Fluchtbewegungen wirken sich ganz konkret auf Deutschland und die hiesigen Kommunen aus. Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge, jedoch auch Ratlosigkeit und teilweise Vorbehalte sind in der Bevölkerung gegenüber den Asylsuchenden gleichermaßen vorhanden. Viele Kommunen und die dort lebenden Bürgerinnen und Bürger nehmen die Verantwortung für Geflüchtete und Asylbewerbende sehr ernst. Zivilgesellschaftliche Unterstützung der Flüchtlinge ist sehr wertvoll, da der Staat allein diese Herausforderung nicht bewältigen kann. Viele Menschen sind bereit, geflüchtete Menschen zu unterstützen, wissen aber nicht wie. Dieser Beitrag möchte einige Anregungen geben und zum Engagement ermutigen.

Aufkleber auf Laternenpfahl mit Schriftzug Flüchtlinge Willkommen
Refugees Welcome. Bildnachweis am Ende des Beitrags.

Was sind Flüchtlinge?

Flüchtlinge sind Menschen mit einer Fluchtgeschichte. Menschen, die sich in Deutschland um Asyl bewerben, haben einen besonderen Rechtsstatus. Unter ihnen sind in zunehmender Zahl Minderjährige, die ohne Eltern nach Deutschland kommen. Um eine Chance auf Aufnahme in Deutschland zu haben, müssen sie in der Regel einen Asylantrag stellen. Sie werden dann zunächst in eine Erstaufnahmeeinrichtung geschickt. Dort werden die Geflüchteten registriert und erhalten eine Aufenthaltsgestattung, bis zur Entscheidung über den Asylantrag. Nach einer Übergangszeit in der Erstaufnahme werden die Asylbewerberinnen und Asylbewerber bestimmten Städten zugewiesen. Diese Unterbringung kann in einem Heim oder einer Wohnung sein.

Ohne Arbeitserlaubnis dürfen Flüchtlinge nicht arbeiten und keine Ausbildung machen. Für Asylsuchende ist die Arbeit in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts ganz verboten. Auch danach haben sie nur schlechte Chancen auf einen Job, weil es "bevorrechtigte Arbeitnehmer" gibt. Dies sind Deutsche, aber auch EU-Ausländer oder anerkannte Flüchtlinge. Nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland dürfen Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge - ohne die beschriebenen Einschränkungen - arbeiten.

Das Recht, aber auch die Pflicht, einen Integrationskurs zu machen, haben nur anerkannte Flüchtlinge. Dieser Kurs besteht hauptsächlich aus Deutschunterricht. Alle anderen Flüchtlinge müssen sich selbst um das Deutschlernen kümmern und die Kosten dafür tragen.

Städte und Kommunen für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe

Was können Interessierte konkret tun, wenn sie ehrenamtlich Flüchtlinge unterstützen möchten? Für dieses zivilgesellschaftliche Engagement ist die Kontaktaufnahme mit den lokalen Integrationsagenturen, Integrationsbeauftragten und Migrationsberatungsstellen in der Kommune empfehlenswert. Wenn es um Beratungen und Förderungen für Jugendliche (bis 27 Jahre) geht, dann ist der Jugendmigrationsdienst des Wohnortes zu kontaktieren. Alle diese Beratungsstellen bieten professionelle Beratung für Menschen, die Asyl beantragen und haben einen Überblick über die Bedürfnisse der Bewohner in den Flüchtlingsunterkünften. Entsprechend ihrer Qualifikation können Ehrenamtliche Beiträge zur Integration der Flüchtlinge anbieten. „Es gibt sehr viel bürgerschaftliches Engagement. Viele Menschen rufen an und fragen, ob sie spenden oder helfen können“, meint Lothar Strunk, Flüchtlingsberater des DRK. Das DRK koordiniert die Erstaufnahme in Einrichtungen für Flüchtlinge des Landes NRW. „Über diese große Hilfsbereitschaft freuen wir uns sehr. Aber nicht alle Angebote passen zu dem, was wir brauchen und annehmen dürfen. Wir dürfen z.B. nur fabrikneue Hygieneartikel annehmen und Sachspenden in einem hygienisch unbedenklichen Zustand.“

Ehrenamtliche Strukturen und Netzwerke von Ehrenamtlichen In vielen Städten und Gemeinden haben sich Netzwerke und Initiativen von Ehrenamtlichen, die meist bestimmte Flüchtlingsunterkünfte betreuen, gebildet. Sie sind oft in kirchliche Strukturen oder Wohlfahrtsverbände eingebunden und beschäftigen Koordinationskräfte. Dort können sich Interessierte vorstellen und überlegen, wie viel Zeit sie für ehrenamtliche Einsätze anbieten können. Es gibt kurzzeitige Einsätze, die 1-2 Monate dauern und es gibt Einsätze über mehrere Monate, wie Nachhilfe, Sprachkurse oder die Begleitung von Familien. Die Netzwerke bieten Schulungen an, um Ehrenamtliche auf den Umgang mit Flüchtlingen vorzubereiten: Es werden Erste Hilfe Kurse, Einweisungen in den Sprachunterricht, Stärkung der interkulturellen Kompetenzen und Asylrecht vermittelt.

Die Netzwerke verfügen über Kontakte zu Flüchtlingsheimen, Schulen, Stadtteilinitiativen und stehen in enger Verbindung mit den Behörden der Kommunen. Dadurch können sie Interessierte dorthin vermitteln, wo Bedarf besteht. Ehrenamtliche können Flüchtlinge in kirchlichen Räumen oder Integrationshäusern kennenlernen, das lateinische Alphabet und erste Sprachkenntnisse vermitteln, und Unterstützung bei Behördengängen anbieten. Oder Ehrenamtliche geben Flüchtlingskindern Nachhilfeunterricht. Denn aufgrund ihres rechtlichen Status dürfen noch nicht anerkannte Asylbewerber und ihre Familien nicht an Deutsch- oder Integrationskursen teilnehmen.

Über Sachspenden freuen sich die ehrenamtlichen Netzwerke - allerdings mit Einschränkung: Fahrräder, Kleidung, Spielsachen für Kinder werden nur angenommen, wenn ein besonderer Aufruf erfolgt.

Begegnungen fördern – auch Migranten sind aktiv

Ehrenamtliche können sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, indem sie Begegnungen organisieren, Feste in den Unterkünften der Flüchtlinge feiern und so zur Begegnung und dem Abbau von Vorbehalten zwischen Einheimischen und Geflüchteten beitragen. Darüber hinaus bestehen in manchen Städten Projekte wie z.B. die Kultur Paten, wo Ehrenamtliche die Flüchtlinge bzw. Flüchtlingsfamilien langfristig zu kulturellen Veranstaltungen in und um die Kommune begleiten, um Geflüchtete besser in den Alltag in Deutschland zu integrieren.

In der Regel sind es Einheimische, die sich um die Integration der Flüchtlinge kümmern. Einige Aktive fordern, dass Menschen mit Migrationsgeschichte entweder den Neuankömmlingen den Einstieg in die Gesellschaft erleichtern oder sich um die Einheimischen kümmern. „Alle Menschen, auch Flüchtlinge, können etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft tun. Dies können und sollen sie ruhig ehrenamtlich machen. So können sie sich nützlich für die Gesellschaft machen, es hilft das Selbstwertgefühl zu steigern. Zusätzlich kommen sie durch dieses Engagement in Kontakt mit anderen Menschen und werden nicht nur auf Fluchterfahrungen reduziert. So werden sie anders von der Mehrheitsgesellschaft betrachtet und besser akzeptiert“, meint Dr. Joy Alemazung, der für die Außenstelle von Engagement Global in Stuttgart auch für das Thema Migration zuständig ist.

Ein ermutigendes Beispiel, wie Menschen mit Fluchterfahrungen in den Alltag der Mehrheitsgesellschaft einbezogen werden, ist Bad Belzig. Die Kleinstadt in Brandenburg ist trotz der öffentlichen Wahrnehmung als Ort, wo Menschen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit denken und leben, sehr aktiv in der Entwicklungszusammenarbeit mit Kamerun und der interkulturellen Bildungsarbeit. In dem seit 1998 existierenden Infocafé liegt der Schwerpunkt auf der Bildungsarbeit zum Thema Migration. Flüchtlinge können beim gemeinsamen Kochen oder in Länderabenden ihre Potenziale entfalten und mit den Einheimischen in Kontakt kommen. Wenn Menschen mit Migrationsgeschichte darüber sprechen, was in der irakischen Küche gegessen wird, öffnet dies den Blick der Einheimischen für andere Esskulturen. Ebenfalls besuchen anerkannte Flüchtlinge Schulen und berichten dort über ihre Herkunftsländer. Durch diese Begegnungen und Dialoge tragen die Flüchtlinge zur Toleranz und Weltoffenheit der Stadt bei.

Welche Möglichkeiten für die Unterstützung von Flüchtlingen gibt es noch?

Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis in den Krisenregionen die Konflikte friedlich gelöst, die Menschenrechte eingehalten und alle Menschen genügend zu essen haben werden. Das bedeutet, dass auch das Engagement für Flüchtlinge einen langen Atem braucht. Zivilgesellschaftliche Initiativen und Vereine können sich z.B. - entsprechend ihren Interessen- für eine global nachhaltige Entwicklung einsetzen:

-          Im Bereich der Kommune durch die Mitwirkung an der Vernetzung zwischen kommunaler Zusammenarbeit mit Integrations- und Flüchtlingsinitiativen, um die globale Herausforderung Migration zu gestalten.

-          Durch Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Fluchtursachen, Informationen über die Herkunftsländer vieler Flüchtlinge durch Bildungsangebote; Kampagnen, Lesungen, Diskussionsrunden, Ausstellungen oder Theateraufführungen.

-          Durch Eintreten für die Schaffung besserer Lebensperspektiven junger Menschen vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika. Dadurch können nicht nur Fluchtursachen verringert, sondern auch globale Partnerschaften gefördert werden.

Initiativen, Vereine und Schulen, die über die konkrete Flüchtlingshilfe hinaus Interesse haben, Flucht und Migration in der Schule zu thematisieren oder finanzielle Fördermittel für entwicklungspolitische Bildungsarbeit beantragen möchten, können sich gerne an die Engagement Global, Mitmachzentrale wenden und beraten lassen. Wir helfen bei der Recherche nach finanziellen Förderungen für Flüchtlinge. Telefon: 0800-188 7 188 (wochentags von 8-20 Uhr) oder info@engagement-global.de

2 Kommentare

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Armin Wagner

Man kann zu diesem Thema stehen wie man will, wenn aber die Stadt Stuttgart im Gemeinderat feststellt, dass ein Flüchtling oder Asylbewerber im Jahr etwas mehr als 102000.- Euro kostet, ist es ein Skandal wenn auch nur ein Deutscher weniger hat!

Sascha

Seit Monaten dominieren in den Medien Bilder und Berichterstattungen von flüchtigen Menschen - zu tausenden auf einem kleinen, kaum seetüchtigen Holzboot - Mitten auf dem Meer - Unter ihnen hunderte Meter Wasser - sonst nichts - Nichts - genau soviel wie sie noch haben.

Menschen die hier im Lande diskutieren - Hassparolen bei Facebook und Demonstrationen gegen Asylbewerber.

Wir können es nicht fassen !!!

Schließlich lässt niemand freiwillig sein Zuhause zurück, mit nichts in den Händen außer einem Bündel Lumpen und einem Kind auf dem Arm. Wir wissen nicht, wie es ist, zwischen Bombenhagel und zerfetzten Menschen durch die Straßen zu laufen, um unser Leben zu rennen, alles zurücklassen zu müssen. Die Familienfotos, die Kinderschuhe, den Ehering, den Partner oder die Eltern.

"Alles, was diese Menschen noch haben, ist der Gedanke an eine bessere Welt:
An unsere - an die, die uns nie gut genug ist"

Denkt mal drüber nach ....

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