Für die Perspektiven und Potenziale migrantischer Organisationen sensibilisieren

Karoline Caesar und Kevin Borchers 0 Entwicklungszusammenarbeit Migration

Karoline Caesar und Kevin Borchers leiten den Fachkreis Migration, Flucht und Entwicklung bei Engagement Global. Wir haben mit ihnen anlässlich des Welttages der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung am 21. Mai über die Arbeit dieses Fachkreises gesprochen. Interessiert hat uns auch, was die Mitarbeit im Fachkreis für ihre fachliche Arbeit bei Engagement Global bedeutet und welche Erwartungen sie persönlich mit ihrem Engagement verbinden.

Karoline Caesar und Kevin Borchers leiten den Fachkreis Migration, Flucht und Entwicklung bei Engagement Global. Wir haben mit ihnen anlässlich des Welttages der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung am 21. Mai über die Arbeit dieses Fachkreises gesprochen. Interessiert hat uns auch, was die Mitarbeit im Fachkreis für ihre fachliche Arbeit bei Engagement Global bedeutet und welche Erwartungen sie persönlich mit ihrem Engagement verbinden.

Karoline Caesar stehend mit Laptop in der Hand und ein Porträt von Kevin Borchert
Karoline Caesar und Kevin Borchers

1. Wie ist der Fachkreis entstanden und wer arbeitet mit?

Kevin: Der Fachkreis ging im September 2013 aus einer Arbeitsgruppe hervor und ist ein hausübergreifendes Gremium. Vertreterinnen und Vertretern aller Fachabteilungen, der Stabsstellen und des Zentralbereichs von Engagement Global können sich beteiligen.

Karoline: Uns ist es wichtig eine ausgewogene Mischung von Teilnehmenden zu haben, die fachliche und strukturelle Aspekte abbildet. Natürlich streben wir langfristige Beteiligungen an, aufgrund unterschiedlicher Faktoren kommt es aber auch zu Fluktuationen bezüglich der Mitglieder.

2. Wie verortet ihr den Fachkreis mit Blick auf die Themenfelder von Engagement Global – welche Lücke schließt der Fachkreis eurer Ansicht nach?

Karoline: Wir verorten uns zunächst einmal im Kontext der Fachkreise Antirassismus und Inklusion, die ebenso wie wir Themen des Diversity Managements auf der Agenda haben. Wir tragen dazu bei, migrantische Organisationen als Zielgruppen und Menschen mit Migrationsgeschichte als Personal bei Engagement Global Sichtbarkeit zu verschaffen. Wir setzen uns dafür ein, dass migrantische Organisationen und Engagement Global leichter zueinander finden und gut miteinander in der entwicklungspolitischen Arbeit kooperieren können. Wir sehen die Expertise von Menschen mit Migrationsgeschichte in Aktivitäten der Engagement Global als wichtigen Querschnitt zu unser aller Arbeit. Hier können wir alle bei Engagement Global konkret etwas anders machen und etwas bewirken.

Kevin: Weitere Schnittstellen sind konkrete fachliche Aspekte in den Abteilungen – hier geht es mehr um die Wirkung nach außen. Zum Beispiel besprechen wir Fragen im Umgang mit migrantischen Organisationen als Antragssteller, die Bereicherung und Herausforderungen dabei, mit Menschen mit internationaler Herkunft als Referenten und Referentinnen zu arbeiten oder die Förderung der Zusammenarbeit mit Menschen mit Migrationsgeschichte.

3. Welche konkreten Aufgaben habt ihr derzeit auf der Agenda?

Karoline: Wir haben uns für dieses Jahr die Sensibilisierung der Kolleginnen und Kollegen für die Perspektive und die Potenziale von migrantischen Organisationen vorgenommen und werden im zweiten Halbjahr dazu mindestens einen internen Workshop organisieren.

Kevin: Eine ständige Aufgabe ist seit 2020 zudem die Teilnahme an der Steuerungsgruppe zur Umsetzung der diskriminierungssensiblen Organisation, in der alle Gremien und Fachkreise vertreten sind.

4. Welche Ziele habt ihr euch gesetzt für die kommenden Jahre?

Kevin: Die Ziele sind seit Gründung des Fachkreises unverändert: Wir wollen die spezifischen Ressourcen und Expertise von Migrantinnen und Migranten in die Programme und Aktivitäten der Engagement Global frühzeitig einbeziehen und sichtbar machen. Dadurch sollen auch die speziellen Bedarfe der Migrantinnen und Migranten berücksichtigt werden. Dementsprechend möchten wir die Programme der Engagement Global dabei unterstützen, sich inhaltlich mit Blick auf migrantische Organisationen weiterzuentwickeln.

Karoline: Diese Ziele werden durch das Wachstum der Engagement Global und der Diversifizierung der Akteurslandschaft eher noch herausfordernder. Jede Abteilung hat einen anderen Bezug zum Thema Migration und Entwicklung. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, die beschriebenen Ziele immer wieder zu platzieren und auf sie aufmerksam zu machen.

5. Habt ihr aus der Fachkreisarbeit schon mal konkrete Anregungen oder Fragen mit in eure fachliche Arbeit genommen? Wenn ja, welche?

Karoline: In unserer Abteilung haben wir bei einer Veranstaltung mit Expertinnen und Experten aus afrikanischen Ländern stärker auf sprachlich differenzierte Ansprache geachtet. Es war zwar noch nicht möglich, auf einheimischen Sprachen zu arbeiten, was das eigentlich Fernziel sein sollte, aber wir haben eine zweisprachige Moderation ausgeschrieben, und die Moderatorin machte Ansagen teils auf Englisch und teils auf Französisch. Wir wären sonst automatisch von Englisch als Hauptsprache ausgegangen mit Verdolmetschung für die französischsprachigen Teilnehmenden, nur weil für die meisten Deutschen diese Sprache einfacher zu erlernen ist. Mit unserer Entscheidung haben wir die Teilnehmenden aus Ländern wie Togo, Elfenbeinküste und Benin stärker angesprochen und das Thema „Sprache als trennendes Element zwischen afrikanischen Nachbarstaaten“ indirekt auf die Agenda gebracht. Das Ergebnis: Eine Teilnehmende aus Nigeria wurde sich der Sprachgrenze zu Benin in einem Gespräch mit einer Beninerin bewusst und nahm sich vor, diese Sprachgrenze künftig zu überwinden und das für sie nahegelegene Cotonou zu besuchen.

Kevin: Ein wichtiger Punkt sind zudem Begrifflichkeiten. Gerade in Bezug auf unsere Arbeit im Themenfeld Migration und Flucht sind wir ständig damit konfrontiert, welche Begrifflichkeiten nun politisch korrekt und – viel wichtiger – diskriminierungssensibel sind. Jede Bezeichnung bringt eine Geschichte, eine Bedeutung und eine Zuschreibung mit sich, die es gilt, immer wieder zu überprüfen und zu reflektieren. Der Fachkreis hat daher ein Papier erstellt, dass gängige Begriffe beschreibt und reflektiert. Die Ergebnisse wurden 2017 auch in einem Engagement Global -weiten Jour Fixe präsentiert und stehen allen Abteilungen zur Verfügung. Wir sind uns bewusst, dass Begrifflichkeiten in politischen Zusammenhängen stehen mit entsprechenden Halbwertszeiten – insofern ist dies als ein Papier im ständigen Prozess zu begreifen.

6. Welche Erwartungen verbindet ihr persönlich mit eurem Engagement im Fachkreis?

Karoline: Engagement Global -interner Austausch, Gemeinsamkeiten entdecken, gute migrantische Organisationen als Partner fördern und etablieren.

Kevin: Als Abteilung, die schon seit vielen Jahren kommunale Entwicklungspolitik und Migration und Entwicklung verknüpft, ziehen wir immer wieder wichtige Erkenntnisse aus dem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Haus. Und können umgekehrt unsere Erfahrungen in den Fachkreis einbringen.

Der Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung

Der Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung ist ein Aktionstag der UNESCO, der jährlich am 21. Mai begangen wird. Er wird kurz Welttag der kulturellen Vielfalt oder auch Welttag für kulturelle Entwicklung genannt.

Der Tag geht zurück auf die 31. Generalversammlung der UNESCO im November 2001. Damals wurde die Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt verabschiedet und der Welttag für kulturelle Entwicklung ausgerufen. Der Tag soll das Bewusstsein für kulturelle Vielfalt fördern.

 

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