Globales Lernen für eine sozial-ökologische Transformation stärken

Julia Wältring 0 Bildung Globales Lernen

Julia Wältring ist bei VEN e.V., dem Verband Entwicklungspolitik Niedersachen, für das Thema Globales Lernen zuständig. Eine über das Programm für Qualifizierungsmaßnahmen (PFQ) von Engagement Global geförderte Fortbildung ermöglicht es VEN, eine Lerngruppen aufzubauen, die sich gegenseitig bereichert und auch in Zukunft innerhalb der entwicklungspolitischen Zivilgesellschaft wirken kann. In einem Interview berichtet Julia Wältring von ihrer Arbeit und dem PFQ-Projekt.

Poträt von Julia Wältring

Julia Wältring ist bei VEN e.V., dem Verband Entwicklungspolitik Niedersachen, für das Thema Globales Lernen zuständig. Eine über das Programm für Qualifizierungsmaßnahmen (PFQ) von Engagement Global geförderte Fortbildung ermöglicht es VEN, eine Lerngruppen aufzubauen, die sich gegenseitig bereichert und auch in Zukunft innerhalb der entwicklungspolitischen Zivilgesellschaft wirken kann. In einem Interview berichtet Julia Wältring von ihrer Arbeit und dem PFQ-Projekt..

Der VEN e. V., Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen, ist das landesweite Netzwerk entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen und verfügt über ein breites Mitglieder-Netzwerk von Eine-Welt-Initiativen, Gruppen und Weltläden in Niedersachsen, die er als Dachverband berät, fortbildet und qualifiziert. Julia Wältring ist zusammen mit Sören Barge für die Fachstelle Globales Lernen beim VEN zuständig.

Julia Wältring ist seit gut 20 Jahren im Globalen Lernen unterwegs mit verschiedenen Themen und Zielgruppen. Internationale Solidaritätsarbeit in der Jugendverbandsarbeit mit der Begleitung und Beratung internationaler Partnerschaften und die Koordination von weltwärts-Freiwilligendiensten waren dabei wichtige Stationen. Ihre Motivation, sich in Deutschland für eine sozial-gerechte und ökologisch-nachhaltige Welt einzusetzen, wurde maßgeblich gestärkt durch einen zweijährigen Aufenthalt in Kolumbien in der internationalen Schutzbegleitung von Menschen, die wegen ihres Einsatzes für die Menschenrechte bedroht wurden.

1. Fortbildungen sind Teil des Service, den der VEN seinen Mitgliedern bietet. Können Sie kurz beschreiben, was diese Fortbildungen unterscheidet von der Fortbildung, die nun über PFQ gefördert wird?

Viele Fortbildungen vom VEN sind aufgrund von Förderbedingungen auf ein bis drei Seminartage begrenzt. So ist zwar die konkrete und punktuelle Auseinandersetzung mit wichtigen Themen und Bedarfen der Engagierten in Niedersachsen möglich, nicht aber eine umfassende, längerfristige Begleitung von Multiplikator*innen innerhalb einer „Lernreise“, die persönliche Reflektionen und nachhaltige Kompetenzentwicklung möglich macht. Das nun über PFQ geförderte Projekt ermöglicht uns, mehrere aufeinander bezogene mehrtägige Module und eine begleitende Praxisphase umzusetzen und eine gemeinsame Lerngruppe über einen längeren Zeitraum zu formen, die sich gegenseitig bereichert und auch in Zukunft innerhalb der entwicklungspolitischen Zivilgesellschaft wirken kann. Sie unterstützt damit gezielt den Nachwuchs für das Globale Lernen in Niedersachsen.

2. Worin konkret besteht die Qualifizierung, für die der VEN eine PFQ-Förderung erhalten hat?

Die Teilnehmer*innen unserer Qualifizierungsreihe „Globales Lernen für eine sozial-ökologische Transformation stärken“ erschließen sich ganzheitlich Theorie und Praxis des Globalen Lernens. Dazu gehören sowohl die Auseinandersetzung mit Grundannahmen, pädagogischer Perspektive und Lernkonzepten als auch das Anwenden von Methoden und die Reflektion der eigenen Haltung und Rolle als Lehrende*r. Das Ausprobieren neuer Herangehensweisen in der Wissensvermittlung sowie neuer Zugänge zu Lernprozessen zu eröffnen, ist angesichts des gesellschaftlich notwendigen Wandels ein besonderer Zuschnitt dieser Qualifizierung. Es bedarf gut ausgebildeter und fortlaufend geschulter Multiplikator*innen, die mit den aktuellen Herausforderungen umgehen können. Die Herausforderung besteht in diesem Kontext nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Anzahl von Engagierten in den entwicklungspolitischen Vereinen und Initiativen, die Lernenden solche qualitativ hochwertigen Bildungsangebote unterbreiten, um den steigenden Bedarf nach kompetenz- und handlungsorientiertem sowie selbstbestimmtem Lernen flächendeckend bedienen zu können. So ermöglichen wir auch gezielt die Qualifizierung von Nachwuchskräften.

In der Praxisphase setzen die Teilnehmer*innen den selbst entwickelten Workshop um und reflektieren abschließend ihre Erfahrungen mit dem Wissenstransfer in die Praxis. Dabei werden sie begleitet und beraten. Die zugrunde liegenden Qualitätskriterien für Globales Lernen sowie die Vernetzung mit Akteur*innen und Netzwerken in Niedersachsen bieten darüber hinaus Orientierung für die zukünftigen eigenständigen Angebote der Teilnehmer*innen.

3. Wie monitoren Sie die Qualität von VEN-Fortbildungen?

Wenn wir konkrete Fortbildungsangebote entwerfen, nehmen wir die Bedarfe, Impulse und Erwartungen der Engagierten in Niedersachsen auf und formulieren Ziele für die Umsetzung. In der Planung werden dann mögliche Referent*innen und Methoden auf ihre Zielerreichung hin geprüft. Dabei hilft oft der fachliche Austausch mit Kolleg*innen landes- und bundesweit, zum Beispiel innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt Landesnetzwerke. Grundsätzlich evaluieren wir Fortbildung beim VEN mit verschiedenen Mitteln. Dazu befragen wir natürlich die Teilnehmenden nach der Fortbildung in Hinblick auf ihren Lernzuwachs, aber auch in Bezug auf ihr zukünftiges Engagement und ziehen Schlüsse für zukünftige Fortbildungen. Auch ein späterer Blick auf die Aktivitäten von Teilnehmenden in ihrer Bildungsarbeit zeigt uns, ob die Fortbildungen gewirkt haben.

4. Wirkungsmessung ist eine Möglichkeit, die Qualität einer Fortbildung zu monitoren. Welche Indikatoren zur Wirkungsmessung müssen bei einer PFQ-Förderung bedient werden?

Das Besondere an der PFQ-Wirkungsmessung liegt in der Erfassung der Anwendung und Weitergabe des erworbenen Wissens und der erworbenen Kompetenzen. Ziel ist es, dass sich die Teilnehmer*innen nicht nur neues und für ihre Arbeit relevantes Wissen aneignen, sondern dass sie dieses in ihren Projekten anwenden. Darüber hinaus spielt die Vermittlung des Gelernten innerhalb der eigenen Organisation eine herausragende Rolle sowie die Weitergabe an Partner der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Naheliegend dabei ist die Umsetzung dieser Wissensweitergabe innerhalb eines Jahres. Dadurch ist eine Messung durch uns als Anbieter der Qualifizierung noch gut realisierbar und die Motivation der Teilnehmer*innen, konsequent an der Vermittlung und Weitergabe zu arbeiten, steigt. So wird Expert*innenwissen zeitnah weitergegeben und ein Beitrag zu einem nachhaltigen Wissensmanagement gewährleistet.

5. Dies ist Ihre erste PFQ-Förderung – wie fanden Sie das Beantragungsverfahren?

Wir fühlten uns von Beginn an von den Mitarbeitenden im PFQ-Programm sehr gut beraten. Die Rückmeldungen zu einer ersten Projektskizze sowie die Hinweise zu konkreten finanziellen Bedingungen waren sehr hilfreich. Das Antragsformular ist übersichtlich und hilft, die Details des Vorhabens konkret zu planen und auszuformulieren. Natürlich kostet es einige Zeit, es lohnt sich aus unserer Sicht aber, denn die Umsetzung eines längerfristig angelegten Vorhabens ist mit der Förderung möglich. Einige zusätzliche Dokumente und auch eine PFQ-spezifische Trägerprüfung sind nötig. Das sollte man im Zeitplan bedenken.

6. Frage an die Expertin: Welche Eigenschaften, welche Einstellungen machen jemanden zu einer guten Referentin, zu einem guten Referenten für Globales Lernen?

Die bestehenden Problematiken und Herausforderungen auf globaler Ebene fachlich gut und nachvollziehbar zu vermitteln und begreifbar zu machen und gleichzeitig Veränderungsbedarf und Handlungsmotivation in den Lernenden zu wecken, ist aktuell eine der größten Herausforderungen. Die Fähigkeit, diese Balance in einem Bildungsangebot halten zu können, fordert fachliche und pädagogische Kompetenz, das Einbinden der Bedürfnisse der Lernenden, kritische (Selbst)Reflektion und nicht zuletzt authentisches Auftreten von Referent*innen. Perspektiven von Menschen aus Ländern des Globalen Südens miteinzubinden ist eine weitere Grundlage, um die eigene Weltsicht zu weiten und ein tieferes Verständnis von einem nachhaltigen und gleichberechtigen Zusammenleben auf diesem Planeten entwickeln zu können. Und nicht zuletzt kann eine gute Portion Humor und die Erkenntnis, dass Lehrende selbst auch immer Lernende sind, dabei manchmal Wunder wirken!

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