Internationale Begegnungen bereichern und erweitern den Horizont

Werner Eggert 0 Journalismus Myanmar Pressefreiheit

Interlink Academy for International Dialog and Journalism unterstützt weltweit Qualitätsjournalismus durch Trainings und Beratung. Gegründet wurde die gemeinnützige Organisation 2014 von Werner Eggert, der seit Jahrzehnten als Medienberater, Trainer und Coach arbeitet. Tätig war er unter anderem für den namibischen Rundfunk, das Internationale Institut für Journalismus in Berlin, den Bertelsmann Konzern und die Deutsche Welle Akademie. Wir sprachen mit Werner Eggert über die Arbeit der Interlink Academy und ein Projekt in Myanmar.

Porträt Werner Eggert
Werner Eggert

Interlink Academy for International Dialog and Journalism unterstützt weltweit Qualitätsjournalismus durch Trainings und Beratung. Gegründet wurde die gemeinnützige Organisation 2014 von Werner Eggert, der seit Jahrzehnten als Medienberater, Trainer und Coach arbeitet. Tätig war er unter anderem für den namibischen Rundfunk, das Internationale Institut für Journalismus in Berlin, den Bertelsmann Konzern und die Deutsche Welle Akademie. Wir sprachen mit Werner Eggert über die Arbeit der Interlink Academy und ein Projekt in Myanmar.

1. Herr Eggert, über bengo wurde zwölf Monate lang ein Projekt der Interlink Academy in Myanmar gefördert. Worum ging es bei diesem Projekt und was macht es so besonders im Unterschied zu üblichen journalistischen Trainingsangeboten?

In dem Projekt ging es darum, das regionale Medienhaus Dawei Watch im Südosten des Landes umfassend zu stärken. Das betraf die redaktionellen Kapazitäten und die Kapazitäten im Management. Dawei Watch ist das einzige Medienhaus in der Region, das nicht dem Staat gehört und Menschen dort mit einer unabhängigen und kritischen Berichterstattung versorgt. Allerdings leidet das Medienhaus wie viele andere auch unter dem digitalen Wandel. Die Einnahmen bei den Printprodukten brechen weg und können nur schwer durch digitale Erlöse ersetzt werden. Gleichzeitig fehlt es der Redaktion an Fertigkeiten, die technischen Möglichkeiten der Onlineberichterstattung auszuschöpfen. Mit Beratung und Trainingsmaßnahmen haben wir hier einen Beitrag geleistet, für Dawei Watch einen journalistische und wirtschaftliche Perspektive zu erschließen.

2. Interlink Academy arbeitet in ganz unterschiedlichen Ländern (beispielsweise Nepal, Ukraine, Zimbabwe) – wie entscheiden Sie, mit wem Sie zusammenarbeiten und wie entstehen ihre Projekte?

Die Auswahl unserer Partner geschieht immer individuell und es lässt sich kein generelles Muster beschreiben. Gemeinsam ist allen unseren Projekten, dass wir die Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation niedrigschwellig beginnen und uns kennenlernen. Die ersten Projekte mit einer Förderung beispielsweise durch bengo nehmen wir erst in Angriff, wenn unsere Partner und wir uns einig sind, dass wir zusammenpassen und dass wir uns gegenseitig schätzen und vertrauen. Und wenn das erste größere Projekt erfolgreich verläuft, überlegen wir, ob es einen Bedarf für ein weiteres Projekt gibt. Unsere Partnerschaften wachsen also gleichsam organisch.

3. Wie sah die Kooperation in Myanmar mit Dawei Watch konkret aus?

Zusammen mit unserem Partner haben wir drei Bereiche identifiziert, die wir mit gemeinsam ertüchtigen wollten: Erstens Mobile Video Reporting, zweitens digitale Recherche und Fact-Checking im Internet und den sozialen Medien, und drittens das Erschließen und Verstetigen neuer Erlösquellen. In diesen Feldern haben wir Trainings durchgeführt und diese durch ein kontinuierliches Coaching ergänzt. Die Coronavirus Pandemie hat diese Arbeit erschwert und vieles musste online geschehen, da internationale Reise nur sehr schwer möglich waren und auch Reisen innerhalb Myanmars im April und dann wieder von Oktober bis Dezember nur mit anschließenden Quarantänen durchgeführt werden konnten. Hier kam uns unsere langjährige Erfahrung mit digitalem Training zu Gute, genauso wie die genaue Kenntnis der Umstände in Myanmar.

4. Was können deutsche Medienschaffende lernen von ihren Kolleginnen und Kollegen in Myanmar?

Das hängt immer von den einzelnen Personen ab, aber es ist unsere grundsätzliche Erfahrung, dass die internationale Begegnung immer bereichernd ist. Kolleginnen und Kollegen im globalen Süden bei der Arbeit zu erleben, weitet den Horizont, öffnet den Blick auf neue Lösungen im eigenen Berufsalltag, und last but not least, lehrt im Angesicht der eigenen Privilegien auch etwas Demut.

5. Haben Sie aktuell Kontakt zu ihren Partnern in Myanmar und können etwas zu deren Arbeitssituation sagen?

Ja, wir stehen in regelmäßigem Austausch. Und wenn Sie die Arbeitssituation nach dem Militärputsch vom 1. Februar meinen, ist die sehr schlecht. Die Journalistinnen und Journalisten von Dawei Watch berichten weiterhin online, die Printpublikationen wurde aber eingestellt und die Reporter gehen aus Sicherheitsgründen auch nicht mehr in die Redaktion, sondern arbeiten von verschiedenen Standorten aus. Das Militär beobachtet die Veröffentlichungen der privaten Medien genau, und entzieht ihnen bei auffällig kritischer Berichterstattung die Lizenz. Davon sind bislang die kleinen Medienhäuser in den Regionen - wie Dawei Watch - weniger betroffen, es hat vor allem die landesweit agierenden Medien getroffen, die entweder nicht mehr erscheinen oder aus dem Untergrund bzw. aus dem Exil im Ausland heraus veröffentlichen. Etliche Journalisten wurden auch verhaftet, allerdings noch niemand von Dawei Watch. Neben der politischen Repression macht den freien Medien auch zu schaffen, dass das Internet immer wieder abgeschaltet oder gedrosselt wird. Das erschwert Recherchen, und es erschwert das Veröffentlichen von Geschichten online.

6. Was braucht es, damit Qualitätsjournalismus eine Zukunft hat?

Uiiii, das ist die Frage aller Fragen. Sicher scheint zu sein, dass Qualitätsjournalismus überwiegend im Netz stattfinden wird. Da weiß man schon viel darüber, wie das aussieht, auch wenn es hier noch viel zu entdecken und zu entwickeln gibt. Zum Beispiel, wie Journalisten besser mit sozialen Medien interagieren können. Schwerer zu beantworten ist die Frage, wie sich privater Qualitätsjournalismus in Zukunft finanzieren lässt. Das gilt hier bei uns, und es gilt in unseren Partnerländern. Und journalistische Unabhängigkeit hat in der Regel die wirtschaftliche Unabhängigkeit zur Voraussetzung. Wobei es bei uns noch die öffentlich-rechtlichen Medien mit der Finanzierung durch Rundfunkbeiträge gibt, die bei aller Kritik unterm Strich guten Journalismus produzieren. In unseren Partnerländern beobachten wir eher Staatssender als öffentlich-rechtliche Einrichtungen. Und Staatssender produzieren in der Regel keinen unabhängigen Qualitätsjournalismus.

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