Nachhaltigkeit erfordert Neugestaltung vieler kommunaler Bereiche

Prof. Dr. Dirk Messner 0 Entwicklungszusammenarbeit Klimaschutz Kommunen Nachhaltigkeit

„Wie können wir 2050 in Wohlstand, Demokratie, Sicherheit und Stabilität auf diesem Planeten leben?“ – das ist eine der Fragen, die Prof. Dr. Dirk Messner antreibt, sich für das Thema Nachhaltigkeit einzusetzen. Zur 15. Bundeskonferenz der Kommunalen Entwicklungspolitik, die vom 14. bis 16. Juni 2021 stattfindet, hat sich der Präsident des Bundesumweltamts mit einem Impulsvortrag angekündigt. Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global hat vorab ein Interview mit ihm geführt.

Poträt von Dirk Messner
Prof. Dr. Dirk Messner

„Wie können wir 2050 in Wohlstand, Demokratie, Sicherheit und Stabilität auf diesem Planeten leben?“ – das ist eine der Fragen, die Prof. Dr. Dirk Messner antreibt, sich für das Thema Nachhaltigkeit einzusetzen. Zur 15. Bundeskonferenz der Kommunalen Entwicklungspolitik, die vom 14. bis 16. Juni 2021 stattfindet, hat sich der Präsident des Bundesumweltamts mit einem Impulsvortrag angekündigt. Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global hat vorab ein Interview mit ihm geführt.

1. Herr Messner, welche Bedeutung haben die Kommunen Ihrer Meinung nach für die Umsetzung der Agenda 2030?

In der Agenda 2030 geht es ganz stark um Lebensqualität von Menschen, die sich dort realisiert (oder auch nicht), wo sie wohnen – das sind die Kommunen. Da geht es um Mobilität, Zugang zu Bildung und Gesundheit. Lokale Politik ist auch in einer globalisierten Welt von herausragender Bedeutung und daher sind die Kommunen zentrale Akteure bei der Umsetzung der Agenda 2030.

2. Was sind die wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen für Kommunen in den nächsten zehn Jahren?

Wenn man sich die gesamte Nachhaltigkeitsagenda anschaut, kommt man auf einige Aspekte, die von besonderer Wichtigkeit sind. Zunächst entscheidet sich auf kommunaler Ebene die Lebensqualität. Gerade in den Entwicklungsländern ist es eine riesige Herausforderung, den Zugang zu lebensnotwendigen Dienstleistungen und Infrastruktur für alle zu sichern. Das muss auf kommunaler Ebene passieren.

Das zweite wichtige Thema ist die Klima- und Ressourcenherausforderung. Denken Sie zum Beispiel an die Mobilitätsinfrastruktur in einer Stadt: Die kann decarbonisiert und emissionsarm sein, sie kann aber auch einen enormen Anteil der Emissionen ausmachen. Daher lautet die Aufgabe, Mobilitätssysteme nachhaltig zu gestalten.

Das dritte große Feld ist der Städtebau. Wir können wir unsere Städte und Gebäude nachhaltig bauen und bewirtschaften? Derzeit entfallen 40 Prozent der weltweiten Emissionen auf den Bausektor. Hier müssen Städtebau und Klimaschutz Hand in Hand gehen. Für all dies braucht man immer auch Energie, daher sind zukunftsfähige Energiesysteme das vierte Thema. Und nicht zuletzt benötigen alle Menschen eine wirtschaftliche Grundlage, sie brauchen Beschäftigung. Aus diesem Grund ist auch die Förderung von existenzsichernden Beschäftigungsverhältnissen auf lokaler Ebene ein großes Zukunftsthema.

3. Was ist Ihre ganz persönliche Motivation, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen und warum sind Sie auf der Buko – der Bundeskonferenz der Kommunalen Entwicklungspolitik – dabei?

Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist für mich die Frage, wie wir mit zehn Milliarden Menschen auf einem begrenzten Planeten in Wohlstand, Demokratie, Sicherheit und Stabilität zusammenleben wollen. Um dies sicher zu stellen, kommen enorme Aufgaben auf uns zu. Dafür müssen wir bis 2050 unsere Wohlstandssteigerung vom Ressourcenverbrauch abkoppeln.

Als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen (WBGU) bin ich persönlich erst ziemlich spät zur Umweltpolitik und zu der Erkenntnis gekommen, dass wirtschaftliche und soziale Fragen nur im Kontext lokaler und globaler Ökosysteme betrachtet werden können. Aber seitdem hat mich der Begriff des vom Menschen gemachten „Erdsystemwandels“ nicht mehr losgelassen und ich arbeite dafür, die Bereiche Umwelt, Nachhaltigkeit und Lebensqualität zusammen zu bringen. Ich freue mich sehr auf die Diskussion auf der Buko!

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